Gräfliche Sammlungen

Den Grundstein der Gräflichen Sammlungen legte Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754-1823) mit mittelalterlichen Rüstungen, einer jagd- und naturkundlichen Sammlung sowie wertvollen Antiken. Fortgeführt wurden die Sammlungen durch seinen Enkel Graf Eberhard XV. (1818-1884), der auch neue Schwerpunkte im Bereich Möbel und sakraler Kunst legte (siehe Hubertuskapelle mit Schöllenbacher Altar).

Mit einer „großen Vorliebe für die Alterthümer geboren“, entschloss sich Graf Franz bereits in früher Jugend, eine Antikensammlung im Schloss einzurichten. Auf einer Italienreise im Jahr 1791 gelang ihm der Ankauf des größten Teils der heute noch in Erbach erhaltenen Antiken. Sein Hofkünstler Johann Wilhelm Wendt gestaltet nach der Rückkehr drei Zimmer der Beletage nach antiken Vorbildern: So entstanden ein Arbeits- und Audienzzimmer mit imposanten Marmorporträts römischer Staatsmänner sowie ein kleines Schlafgemach, dem sogenannten Etruskischen Kabinett, angefüllt mit den bedeutendsten antiken Vasen seiner Sammlung.

Erstes Römisches Zimmer

Vorbild für dieses Römische Zimmer war nach Aussage von Graf Franz I. ein Raum in der Hadriansvilla in Rom. Es enthält griechische und römische Büsten sowie Kleinfunde, die zum Teil auch aus der Region stammen.

Foto: Michael Leukel, 2020

Alexanderbüste

Die Büste Alexanders des Großen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. ist die beste auf uns gekommene römische Kopie nach einem griechischen Original. Der Feldherr begegnet hier nicht als stürmischer Welteroberer, sondern als stiller, göttergleicher Jüngling.

Foto: Michael Leukel, 2020

Griechische Büste des Komödiendichters Menander

Diese Büste zeigt den griechischen Komödiendichter Menander. Es handelt sich um eine römische Kopie nach griechischem Vorbild des 3. Jahrhunderts vor Christus.

Foto : Michael Leukel, 2020

Kaiserbüsten im Zweiten Römischen Zimmer

Das Audienzzimmer ist einem Raum im Marcellus-Theater in Rom nachempfunden und enthält überwiegend Kaiserstatuen und Kleinfunde.

Michael Leukel, 2020

Franz beschränkte sein Interesse nicht allein auf die Antike. Gleichzeitig baute er die Waffensammlung seiner Vorfahren aus, sammelte Rüstungen, Glasmalereien sowie kolossale und abnorme Geweihe. Noch heute sind seine umfangreichen Sammlungen von Waffen und Rüstungen in einem beeindruckenden neogotischen Rittersaal und einer Gewehrkammer zu besichtigen.

Die naturhistorische Sammlung an Geweihen begrüßt die Schlossbesuchenden bereits im Vestibül, säumt das Treppenhaus und entfaltet mit besonders beeindruckenden Exemplaren ihre Pracht in der großen Hirschgalerie. Das zugrundeliegende Prinzip aller Sammlungsbereiche, das Graf Franz in den bis heute erhaltenen Katalogen festhielt, lässt sich als enzyklopädisch umschreiben. Er verfolgte in allen Sammlungsteilen, Geschichte zu konservieren und somit für die Zukunft erfahrbar zu machen.

Vestibül mit Waffen- und Geweihsammlung

In der Eingangshalle des Erbacher Schlosses befindet sich die Sammlung abnormer Hirschgeweihe. Verursacht wird der abnorme Wuchs der Geweihe durch Krankheiten oder Verletzungen.

Foto: Michael Leukel, 2018

Historische Schusswaffen

Die Sammlung in der Waffenkammer geht auf Graf Franz I. zurück und wurde im Laufe der Zeit durch Ankäufe erweitert. Sie zeigt hauptsächlich Jagdwaffen, zum Teil sehr aufwändig und künstlerisch hochwertig verziert.

Foto: Michael Leukel, 2017

Blick in die Hirschgalerie des Erbacher Schlosses

Die Hirschgalerie wurde unter Eberhard XV. eingerichtet und beeindruckt durch die wunderbare Holzdecke aus dem 17. Jahrhundert, die aus dem Kloster Roth um 1863 nach Erbach gebracht und eingebaut wurde.

Foto: Michael Leukel, 2018

In den ehemaligen Wohnsalons des Schlosses verbirgt sich eine weitere beeindruckende Sammlung: Seit dem 16. Jahrhundert entstanden repräsentative Ahnenporträts, deren Höhepunkt dreizehn Barockbildnisses der Mitglieder des mit den Erbachern verwandten Hauses Oranien-Nassau bilden. Die berühmte holländische Verwandtschaft wurde von Malern wie Anthonis van Dyck, Gerard van Honthorst, Wybrand de Geest, Michiel Mierevelt und Jan van Ravesteyn und ihren Werkstätten gemalt.

Die Sammlungsräume des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts bestehen in einem nahezu unveränderten Zustand bis heute. In ihnen wird, wie sonst kaum irgendwo, das Konzept einer Sammlung der Zeit der Aufklärung greifbar und sie sind in ihrem Geschichtsverständnis bis heute aktuell.

Saal mit den Gemälden berühmter Niederländer

Der als Speisesaal genutzte Oraniersaal zeigt die für den Historismus typische Mischaufstellung der Möbel. Durch die Gemälde wird die verwandtschaftliche Verbindung zum Haus Oranien-Nassau und damit ein dynastischer Anspruch dokumentiert.

Foto: Michael Leukel, 2018

Antike italischer Kelchkrater

Die Sammlung antiker griechischer und unteritalischer Vasen im Grünen Salon geht auf Graf Franz I. zurück.

Foto: Michael Leukel, 2020

Porzellanfiguren im Chinesischen Zimmer

Porzellan gehörte zwar zu den Lieblingssammelgebieten des 18. Jahrhunderts, in Erbach wurde die Sammlung im Chinesischen Zimmer allerdings größtenteils erst im 19. Jahrhundert zusammengetragen.

Foto: Michael Leukel, 2019