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Burg Fürsteneck

Die Höhenburg im hessischen Kegelspiel der Rhön – unweit von Eiterfeld gelegen, geht auf eine spätmittelalterliche Burggründung der Fürstäbte von Fulda zurück. 1330 erstmals urkundlich erwähnt, diente die Burganlage lange Zeit zum Schutz des Hochstiftes Fulda und zur Sicherung dessen weitreichender Besitzungen.

Zwischenzeitlich fast bis zur Ruine verkommen, erfuhr sie im 18. Jahrhundert sowie in den 1950er Jahren bauliche Veränderungen, sodass man heute auf eine baugeschichtliche Zeitreise vom Spätmittelalter über die Gotik bis in die Neueste Geschichte gehen kann.

Auf einen Blick

Am Schlossgarten 3
36132 Eiterfeld

Außenanlage frei zugänglich

HESSEN

Geschichte

Betritt man die idyllisch gelegene Burg Fürsteneck durch das einst sehr schmale Burgtor, eröffnet sich eine nahezu rechteckig angelegte Burganlage mit Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten der kirchlichen Nutzungsgeschichte. Von der spätmittelalterlichen Wehranlage zeugt heute noch der quadratische Bergfried, der nicht mehr in seiner vollen Höhe erhalten geblieben ist. Ebenfalls auf die Gründungszeit zurückzuführen ist die Ringmauer mit den sich hofseitig anlehnenden Wohnbauten.

Burg Fürsteneck

Der Bergfried ist Teil der spätmittelalterlichen Wehranlage und ragte ursprünglich weiter in die Höhe.

Foto: Espelohra, 2015

Ein weiterer Blickfang ist der dreigeschossige Wohnbau am Ende des Hauptburgareal. Dieser ist in seinem Kern spätgotisch ebenso wie die gegenüberliegenden Gebäude. Damit sind sie bauliche Zeugnisse jener langen Übergangsphase zwischen dem Mittelalter und der Neuzeit. Vermutlich im 16. Jahrhundert hinzugekommen ist die Zwingeranlage samt Wehrgang und kleiner Bastion. Wälle, Gräben und die Vorburg wurden eingeebnet.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fast durchgehend in kirchlichem Besitz

Die verschiedenen Bausubstanzen wie dunkler Basalt-Bruchstein und hellere Sandsteinquader in den Burgmauern, verbinden die lange und wechselvolle Geschichte der Burg. Die Region um Fürsteneck gehörte seit 845 zum Einflussgebiet des Fuldaer Klosters und blieb bis zur Säkularisation im Jahre 1802 fast durchgehend im Besitz der Kirche. Die Fuldaer Territorien erstreckten sich von der Küste bis zu den Alpen und galt zu jener Zeit als das größte zusammenhängende Territorium aller Abteien im Reich.

Als Grenzbefestigung wird die Abtsburg 1330 erstmals urkundlich erwähnt, nachdem sie vom Fürstabt Heinrich von Weilnau (siehe dazu Burgruine Altweilnau) in Auftrag gegeben worden war. Doch das Geld des Hochstiftes saß zu jener Zeit locker, weshalb die Taschen oftmals leer und die Äbte dazu genötigt waren, die Burg an verschiedenen Amtmänner zu verpfänden. Oftmals wurden Amt und Burg kurz darauf wieder von den Fuldaer Kirchenmänner zurückgekauft.

Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg

Doch nachdem die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts bereits Baufälligkeiten aufwies, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) an manchen Stellen fast bis auf die Grundmauern zerstört. Die gesamte Region litt unter den kriegerischen Folgen und der sich zusätzlich ausbreitenden Pest. So waren in Eiterfeld nach den Kriegsjahren nur noch drei männliche Bewohner registriert. Und auch die Burg überlebt die turbulenten Jahre nicht – nach 1633 wird sie zerstört.

Burg Fürsteneck, Wohnbau

Der dreigeschossige Wohnbau am Ende des Hauptareals.

Foto: Espelohra, 2015

Burg Fürsteneck, Blick auf das Burgtor

Blick auf das Burgtor und das gut erkennbare romanische Einstein-Zwillingsfenster aus dem 12. Jahrhundert.

Foto: Espelohra, 2015

Burg Fürsteneck, Blick in den Burghof

Blick in den Burghof mit dem stattlichen Herrenhaus und Burtor im Hintergrund.

Foto: Espelohra, 2015

Burg Fürsteneck, Blick in den Burghof nach Norden

Blick in den Burghof mit Nordturm und Nordtor.

Foto: Espelohra, 2015

Doch auf den Zerfall folgte eine Zeit des Wiederaufbaus. Zwischen 1708 und 1710 investierte Fürstabt Adalbert von Schleifras in die Burg Fürsteneck und ließ sie wieder errichten. Davon zeugt noch heute sein Wappen über dem Türrahmen des Herrenhauses, welches ihn als rechtmäßigen Besitzer und Käufer ausweist.

Burg Fürsteneck, Wappen

Das Wappen des Fürstabts Adalbert von Schleifras über dem Türrahmen des Herrenhauses.

Foto: Espelohra, 2015

Zeitweise diente die nun schlossartig umgebaute Anlage als Sommerresidenz der Fuldaer Äbte. Doch mit der Säkularisation (1802) war die kirchliche Besitzung für den Hochstift endgültig verloren. Als staatliche Domäne wurde sie bis in die neueste Zeit bestellt, bevor sie nach dem Zweiten Weltkrieg umfassend umgebaut und modernisiert wurde.

Ein Ort des Lernens

Unter dem Architekten Otto Bartning, welcher dem Bauhaus nahe stand und für seine Kirchenbauten bekannt war, wurde sie unter weitgehender Wahrung der originalen Bausubstanz zur Heimvolkshochschule umgebaut. Heutzutage wird sie von der Akademie für berufliche und musisch-kulturelle Weiterbildung als Ort des Lernens genutzt.

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