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Römerbrunnen Kaichen

Dieser Ziehbrunnen steht für die römische Besiedlung der Wetterau im zweiten und dritten Jahrhundert. Als Teil eines Gutshofs erzählt er von der frühen landwirtschaftlichen Nutzung dieser fruchtbaren Böden und der Versorgung umliegender Städte und Kastelle im römischen Grenzgebiet.

Auf einen Blick

61194 Kaichen

Gelände frei zugänglich

HESSEN

Geschichte

Der Römerbrunnen befindet sich auf einer Anhöhe südwestlich des Dorfes Kaichen. Von ein paar Sitzbänken umgeben steht er malerisch alleine auf weiter Flur. Es handelt sich um eines der wenigen Zeugnisse aus römischer Zeit, als dieser Landstrich der Wetterau Teil des Großreiches, genauer, der Provinz Germania superior war. Die heutige Landstraße Karben-Heldenberg war einst eine Römerstraße, die Felder ringsum ein Siedlungsgebiet der Römer, was durch den nahegelegenen Limes vor Einfällen der „Barbaren“ geschützt wurde.

Römerbrunnen bei Kaichen

Römerbrunnen mit tuskischen Steinsäulen der villa rustica

Foto: Michael Leukel, 2019

Säulen im Brunnen

In eben diesem Gebiet hatte man 1902 inmitten der Felder die Grundmauern eines römischen Gutshofs ergraben. Der Ziehbrunnen gehörte zu dieser Villa rustica. Im Brunnenschacht waren tuskische Steinsäulen gefunden worden, die wahrscheinlich vom Portikus jener Villa stammen. Man hatte die Fundstücke auf dem ummauerten Brunnen gestellt, durch einen Querbalken und ein kleines Dach miteinander verbunden und das neu entstandene Ensemble mit einer Inschrift am Brunnenrand versehen: „BRUNNEN U[ND] SÄULEN EINES IM JAHRE 1902 HIER AUFGEDECKTEN RÖMISCHEN HAUSES“.

Römerbrunnen, Inschrift

Inschrift am Brunnenrand

Foto: Michael Leukel, 2019

Ehemaliger Gutshof versorgte Kastelle

Den Ziehbrunnen muss man sich also etwas schlichter vorstellen als er sich heute präsentiert. Der Brunnenschaft ist allerdings original und war annähernd doppelt so tief wie heute. Die gedrungenen Säulen mit den schlichten Kapitellen zierten ursprünglich den Eingang des römischen Gutshofs, wo oft verdiente ehemalige römische Legionäre als Gutsherren fungierten. Von hier aus erfolgte die landwirtschaftliche Versorgung der Siedlung in Heldenbergen, der Truppen des Limes und des Friedberger Kastelles. Auch die Stadt Nida (Heddernheim) wird u.a. von hier aus mit Lebensmitteln versorgt worden sein. Für die Wetterau, die „Kornkammer“ der Römer, sind zahlreiche solcher Landgüter belegt.

Weitere Spuren der Römer unter der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen sind die ehemaligen Limes-Kastelle Kapersburg und Kleiner Feldberg.

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