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Adolfsturm und St. Georgsbrunnen

Reichsfrei im Heiligen Römischen Reich – die Relikte der hessischen Burg Friedberg erzählen von ihrem Status in der Vergangenheit. Der spätmittelalterliche Adolfsturm und der barocke St. Georgsbrunnen sind herausragende Botschafter in einem vielschichtigen Geschichtsdenkmal.

Auf einen Blick

In der Burg
61169 Friedberg

HESSEN

Die Burganlage

Mit ihren 3,9 Hektar zählt die Burg in Friedberg zu den besonders großen Burganlagen in Deutschland. Doch nicht nur die Ausdehnung ihres Areals, das den geschlossenen Charakter einer mittelalterlichen Wehranlage bewahrt hat, stellt sie heraus. Sie nahm über viele Jahrhunderte auch eine außergewöhnliche Rechtsposition ein.

Vom 12. Jahrhundert bis 1806 war die Burg, die man vor 1180 zum Schutz der Wetterau errichtet hatte, Mittelpunkt einer eigentümlichen Burggrafschaft. Von 1431 an war sie als einzige Burg mit einem kleinen Territorium allein den Königen und Kaisern des Heiligen Römisches Reiches unterstellt und bildete durch ihre genossenschaftliche Verfassung ein Unikum.

Friedberg, Adolfsturm abends

Seitwärts am Nordeingang zur Burg steht der mächtige Adolfsturm – Eindruck am Abend

Foto: Michael Leukel, 2020

1217 wird die „kayserliche und des heiligen Reichs-Burg Friedberg“ schriftlich erstmalig genannt. Sie war vermutlich eine Gründung zu Lebzeiten des Stauferkaisers Friedrich I. Barbarossa (um 1122-1190). Adelige Burgmannen lebten in der Burg, die 1431 in die Reichsmatrikel, dem Verzeichnis aller Reichsstände, aufgenommen wurde.

In der Neuzeit diente die Burgmitgliedschaft vor allem dem Prestige: Man gehörte einer herausgehobenen Einrichtung der Reichsritterschaft an. Ab dem 17. Jahrhundert verlor die Burg an Bedeutung und wandelte sich zum Sitz edler Herren. Heute befinden sich innerhalb der historischen Mauern neben einigen Burgmannenhäusern städtische Einrichtungen, darunter Teile des Finanzamtes und ein Gymnasium.

Der Adolfsturm

Die frühere hohe Stellung der Burg ist am Adolfsturm und am St. Georgsbrunnen abzulesen. So demonstriert die Großzügigkeit des ältesten erhaltenen mittelalterlichen Bauwerks, des zinnenbesetzten Adolfsturms, Stolz und Stärke. Der trutzige um 1347 mit dem Lösegeld aus einer Fehde gebaute Bergfried trägt eine Butterfassbekrönung.

Der zentrale Spitzhelm und die vier Seitentürmchen (Wichhäuschen) sind Zutaten vom Ende des 19. Jahrhunderts. Mitsamt Wetterfahne reicht er auf 58,22 Meter herauf. Der Turm steht am Nord-Tor, bewachte dort einen von zwei Hauptzufahrtswegen, und verfügt über zwei begehbare Umgänge.

Friedberg, Adolfsturm Richtung Norden

Der Adolfsturm in Richtung Norden von der Höhe der Burgkirche gesehen

Foto: Johannes Kögler, 2010

Der Georgsbrunnen

Der Repräsentation der Burggrafschaft, nicht nur der Wasser-Versorgung, diente auch der von Johann Philipp Wörrishofer am Schloss errichtete barocke Springbrunnen aus dem Jahr 1738. In der Mitte thront die Figur des Heiligen Georg über einem Drachen – heute eine Kopie. Das Original des von Burkhard Zamels entworfenen und von J. P. Mörß ausgeführten Werkes befindet sich im Wetterau-Museum.

Der Schutzpatron der Burg trägt ein Wappenschild, das mit dem Doppelkopf-Adler des Alten Reiches auf den reichsständischen Status verweist. Sowohl am Skulpturensockel als auch an den Seiten der Brunnenschale prangen zudem ein Burg- und 13 gemeißelte Adelswappen. Sie stellen das damalige korporative Regiment dar, mit dem Burggrafen an der Spitze und einem Zwölfergremium als Leitungsorgan.

Friedberg, Georgsfigur mit Burgkirche im Hintergrund

Der Heilige Georg vor dem Hintergrund der Burgkirche

Foto: Michael Leukel, 2020

Friedberg, Georgsbrunnen nach Sanierung

2019 wurde eine aufwändige Sanierung des Brunnens abgeschlossen

Foto: Ulrich Haroska, 2019

Friedberg, Wappen am Georgsbrunnens

Das Wappen der Burg mit hinterlegtem doppelköpfigen Adler

Foto: Haselburg-müller, Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0

Öffnungszeiten und Führungen

Informationen zu Öffnungszeiten und Führungen finden Sie auf der Website der Burg Friedberg.

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