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Schlosspark Biebrich

Man möchte „klein, aber oho“ sagen: Der schmale, langgestreckte Biebricher Schlosspark in Wiesbaden ist ein Raumwunder. Hinter dem barocken Schloss, direkt am Rhein gelegen, vermittelt Weite. Am Beginn des 19. Jahrhunderts verwandelte der berühmte Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell die Anlage zu einem modernen Englischen Landschaftsgarten. Ein anderer Meister des Fachs sorgte mit seinem Wirken auch für internationalen Ruhm.

Auf einen Blick

65203 Wiesbaden

frei zugänglich

HESSEN

Geschichte

Der Biebricher Park hinter dem Barockschloss an Wiesbadens Rheinufer ist ein Raumwunder. Zum Vergnügen aller Besucher:innen gibt er geschickt größere Dimensionen vor. Das nur 1.200 Meter lange und an der engsten Stelle gerade mal 250 Meter in der Breite messende Areal von etwa 31 Hektar ist das letzte Großprojekt eines berühmten Gartengestalters. Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) verstand sein kunstreiches Handwerk wohl einzusetzen, um Wahrnehmungen zu lenken. Sckell hatte seinen Beruf gelernt und in Deutschland den klassischen Englischen Landschaftsgarten begründet. Noch in der Frühphase dieser Gartenepoche außerhalb Englands planten vorwiegend adlige Grundbesitzer ihre Anlagen selbst. Sie waren ein aus Prestigegründen gepflegtes Interesse.

Wiesental Foto Jan Hosan

Wiesentäler waren eine Spezialität Sckells. In Biebrich zieht es sich in nördlicher Richtung bis zum Mosburg-Weiher durch den Park

Foto: Jan Hosan 2018

So hatte auch Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen (1738-1816) begonnen, seinen von Maximilian von Welsch in den 1720er Jahren entworfenen barocken Garten nach Verwüstungen durch die Revolutionskriege umzuwandeln und zu erweitern. Noch bevor sein Auftrag an Sckell erging, erspähte der flanierende Dichter Clemens Brentano (1778-1842) „allerlei englisch Schwermereien“. Eine davon war die Mosburg, die 1805/6 an einem Teich entstand. Der Fürst ließ die neugotische Burg aus Passion für das Mittelalter auf früheren Fundamenten im Geschmack der Zeit errichten. Architekt Carl Florian Goetz schaffte extra das Abbruchmaterial einer Mainzer Kirche herbei, auf dass die Illusion des bewohnbaren „Lusthauses“ perfekt sei.

Mosburg Foto Jan Hosan

Die Mosburg ist keine Schein-Ruine, wie immer wieder behauptet wird, sondern entstand als eine kleine, in neugotischen Formen erbaute Burg

Foto: Jan Hosan 2018

Biebricher Schloss am Rhein Foto Jan Hosan

Blick auf das Biebricher Schloss am Rheinufer

Foto: Jan Hosan 2018

Dicke Allee Foto Jan Hosan

Den Schlosspark prägen geschlängelte Wege. Schnurgerade verläuft dagegen die „Dicke Allee“, die in der barocken Gestaltung die zentrale Auffahrstraße zum Schloss war

Foto: Jan Hosan 2018

Rotunde Foto Jan Hosan

Ansicht der zentrale Rotunde des Biebricher Schlosses, das Lokalpatrioten für ein kleines Versailles halten

Foto: Jan Hosan 2018

Komposition eines Landschaftsgarten

Von 1817 bis 1823 befreite Sckell, damals bayerischer Hofgartenintendant und Schöpfer des Englischen Gartens in München, den Park von seinem axialen Grundriss und der architekturähnlichen, symmetrischen Formenstrenge. Es wuchs eine naturnah erscheinende Landschaft heran, der man die Kunst ihrer Komposition nicht mehr ansehen durfte. Meist durch Anleitung aus der Ferne, mit Zuarbeit des Hofgärtners Johann Wilhelm Woltz und des Oberstallmeisters Friedrich Heinrich Freiherr von Dungern, realisierte Sckell ein sich schlängelndes, sanft ansteigendes Wiesental. Es erlaubt einen weiten Blick vom Schloss bis in das Taunus-Gebirge.

Letzte Veränderungen kaum noch sichtbar

Die Geschichte des Biebricher Parks endete nicht mit Sckell. Mehr als 20 Jahre griff Carl Friedrich Thelemann (1811- 1889) verschönernd ein. Leider ist vom Werk dieses Meisters nicht mehr viel zu sehen. Er brachte prachtvolle, später an Frankfurts Palmengarten übertragene Treibhäuser ein, deren an Exoten reiche Pflanzensammlungen ein internationales Publikum anzogen und auch auf der Weltausstellung 1867 in Paris zu sehen waren. Einen herben Verlust bedeutet auch eine kunstvolle Grotte. Der Gartenarchitekt hatte sie in der Nähe des Prinzessinnenweihers aus einem Eiskeller entwickelt und mit einem hübschen „maurischen Kiosk“ bekrönt.

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