Schaudepot Zehntscheune
Das imposante, 80 Meter lange Gebäude, errichtet in den 1590er Jahren aus wiederverwendeten Steinen älterer Klostergebäude, diente ursprünglich der Lagerung des Zehnt. Heute bergen die insgesamt drei Kompartimente der nachklösterlichen Scheune Objekte aus über 200 Jahren Grabungsgeschichte am Kloster Lorsch.
Seit 2015 eine Übersicht über die Funde aus 200 Jahren Grabungen
Die Mitarbeiter:innen der Welterbestätte führten sie dort seit 2015 erstmals zusammengeführt und versammelten sie wieder an ihrem Herkunftsort, auf dass sie weiter erforscht und in wechselnden Zusammenhängen präsentiert werden können.
Die einstige Zehntscheune ist ein Bau des späten 16. Jahrhunderts und besteht vollständig aus wiederverwendeten Steinen abgerissener Klostergebäude. Als ältestes nachklösterliches Bauwerk steht es daher gleichsam symbolisch für die Aufgabe, den Verfall und schließlich den schrittweisen Abtrag des Klosters, der sich über zwei Jahrhunderte hinzog.
Ein Bau für den "Zehnt" - landwirtschaftliche Abgaben
Gleichzeitig steht das Bauwerk für eine auch nach dem Ende des Klosters weiterbestehende Ökonomie, das bis zur Rückgabe der Bergstraße an Kurmainz Naturalien aufnahm, die bisher dem Kloster zustanden, nun aber an die Gefällverwaltung der Kurpfalz gingen. Ein "Schaffner" wachte über diese Einnahmen.
Die Scheune diente bis 2003 unterschiedlichsten Zwecken, bis sie zusammen mit der Revierförsterei, dem Forstgarten und dem alten Schweinestall der Försterei dem Anlagevermögen der Staatlichen Schlösser und Gärten zugeschlagen wurde.
Heute enthält sie andere "Erträge"
In der Folge konnte sie zu einer Scheune ganz eigener Art entwickelt werden: Zu einem Ort des Zusammenführens des „Ertrags“ archäologischer Forschung aus mehr als 200 Jahren in Form eines Schaudepots im Erdgeschoss, aber auch eines Fundarchivs im Obergeschoss.
Kulturgüter aus vielen Epochen
Die Objekte in der Zehntscheune dokumentieren eindrucksvolle Funde. Neben spätantiken Stücken aus dem 2. und 3. Jahrhundert sowie karolingischen Säulen und Kapitellen aus der Blütezeit des Klosters, findet sich auch eine große Zahl bedeutender Kleinfunde, die aufschlussreiche Kontexte des klösterlichen Lebens offenbaren.
Geschichte schöpfen - Quellen aus einem Brunnen
Bei der Untersuchung eines alten Brunnens auf dem Gelände des UNESCO Weltkulturerbes Lorsch vor einigen Jahren kamen unerwartet qualitätsvolle mittelalterliche Architektur- und Skulpturfragmente zum Vorschein. Eingebaut in die Wandung konnten einige von ihnen geborgen werden. Das Staunen über diese Funde war damals groß. Nach gründlicher Dokumentation, Restaurierung und wissenschaftlicher Einordnung sind sie seit Oktober 2021 erstmals öffentlich in der Ausstellung „Geschichte schöpfen – Quellen aus einem Brunnen“ in der Zehntscheune zu sehen.
Die kostbaren Steinmetzarbeiten, die im oberen Teil des zehn Meter tiefen barocken Brunnens verbaut waren, gehörten einmal zur Ausstattung der ehemaligen Lorscher Nazarius-Basilika. Von dem Gotteshaus mit seinen Anfängen in der Karolingerzeit, das als “Wunder an Pracht und Schönheit” gerühmt wurde, ist heute nur noch der westliche Teil des Mittelschiffs (das sogenannte Kirchenfragment) erhalten.
Zu den Werkstücken aus dem Brunnen gehören unter anderem die
ornamentierten Elemente einer Chorschranke aus romanischer Zeit sowie
Fragmente von gotischen Skulpturen mit bedeutenden Farbfassungsresten.
Sie werfen ein neues Licht auf die Geschichte des Klosters.