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Elisabethbrunnen Schröck

Malerisch in einen mit Buchen bewachsenen Berghang eingebettet fasziniert der Elisabethbrunnen wenige Kilometer östlich von Marburg durch seine mächtige Sandsteinfassade im Renaissancestil. Er ist Denkmal für Landgräfin Elisabeth von Thüringen, eine der bemerkenswertesten Frauenfiguren des Mittelalters.

Auf einen Blick

Zum Elisabethbrunnen
35043 Marburg, Schröck

Gelände frei zugänglich

Nächste Veranstaltung

17.08., 15:00–16:00 – Aktionswoche: Expertenführung "Alte Mauern erhalten – Restaurierung und Konservierung des Elisabethbrunnens"

HESSEN

Geschichte

Gewidmet ist der Brunnen nahe dem Marburger Stadtteil Schröck Landgräfin Elisabeth von Thüringen. Die 1207 geborene, ungarische Prinzessin hatte im Alter von 14 Jahren Landgraf Ludwig von Thüringen geheiratet. Ihr Enkel Heinrich, Sohn ihrer Tochter Sophie, wurde erster Landgraf von Hessen – Elisabeth gilt daher als Stammmutter des hessischen Fürstenhauses. Bereits vier Jahre nach ihrem Tod erhob die katholische Kirche sie 1235 zur Heiligen.

Die tiefgläubige thüringische Landgräfin hatte sich aufopfernd um Kranke und Bedürftige gekümmert; Zeitgenossen bezeugten zudem zahlreiche Wunder, die sie vollbracht haben soll, darunter vor allem Heilungen schwer erkrankter Kinder. Die Jahre vor ihrem frühen Tod mit 24 Jahren verbrachte sie in Armut und Askese als Krankenpflegerin in Marburg und soll sich laut Legende des Öfteren an der später nach ihr benannten Quelle erfrischt haben.

Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg (*1637 / +1604) ließ die Quelle 1596 nach Plänen seinen Hofbaumeisters Eberhardt Baldewein fassen. Damit setzte er sowohl seiner Ahnin ein Denkmal als auch der jungen, erst 1567 nach der Teilung der Landgrafschaft Hessen entstandenen Landgrafschaft Hessen-Marburg.

Elisabethbrunnen Schröck, Blick über die Anlage

Auf einer Lichtung zwischen Buchen erhebt sich der Elisabethbrunnen mit seiner Renaissancefassade. Er wurde von Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg zu Ehren seiner Ahnin, Landgräfin Elisabeth von Thüringen, errichtet.

Foto: Michael Leukel, 2020

Elisabethbrunnen, Inschriften

Ein lateinisches Gedicht erzählt über die Heilige, den Erbauer des Brunnens und preist die Natur ringsum.

Foto: Michael Leukel, 2020

Elisabethbrunnen, Inschrift

Die Inschrift über dem Eingang fordert die Besucher:innen auf, sorgsam mit dem Brunnen umzugehen.

Foto: Michael Leukel, 2020

Elisabethbrunnen, gefasste Quelle

Einst galt das Wasser der Quelle sogar als heilsam. Nach heutigen Gesichtspunkten hat es jedoch keine Trinkwasserqualität.

Foto: Michael Leukel, 2020

Elisabethbrunnen, Postamente

Die dorischen Säulen im unteren Teil des Brunnens ruhen auf sogenannten diamantierten Sockeln.

Foto: Michael Leukel, 2020

Reminiszenzen an die Antike

Vor dem Hintergrund des lichten Buchenwaldes wirkt die etwa sieben Meter hohe, zweigeschossig aufgebaute Sandsteinfassade im nahezu monumental. Wie in der Epoche der Renaissance üblich, greift die Architektur die Formensprache der griechisch-römischen Antike auf: Im unteren Teil umrahmen vier Säulen dorischer Ordnung den Rundbogen, durch den man in die Brunnenstube gelangt. Darüber ruht auf drei Paar ionischen Säulen der Architrav.

Zwischen den Säulen preist ein lateinisches Gedicht die umgebende Natur, erzählt von der heiligen Elisabeth und den Geburtstagsfesten die der Erbauer des Brunnens, Landgraf Ludwig IV. hier gefeiert hat. Der Giebel ist mit den Wappen des Landgrafen und seiner beiden Gemahlinnen, Hedwig von Württemberg und Maria von Mansfeld-Hinterort verziert.

Eine weitere Inschrift befindet sich in dem etwa dreieinhalb Meter tiefen Brunnengewölbe auf einer Steintafel über der Brunnenmündung, die wiederum von Bänken aus Sandstein flankiert ist. Der Brunnen liegt am Elisabethpfad, einem Teil des hessischen Jakobsweges. Oberhalb der Quelle sind noch die Fundamente einer Kapelle zu sehen, die hier im Mittelalter stand und 1527 abgebrochen wurde.

Elisabethbrunnen, Tempelfront

Die Säulen im oberen Teil entsprechen der ionischen Ordnung. Charakteristisch dafür sind die geschwungenen Kapitelle, die sogenannten Voluten, und die vertikalen Kanneluren.

Foto: Michael Leukel, 2020

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