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Burg Frankenstein

Unter allen hessischen Burgen ist Frankenstein zweifellos jene mit dem größten Gruselfaktor. Dafür sorgen die herbstlichen Halloween-Spektakel in den alten Gemäuern. Abseits davon bietet die nördlichste Burg des Odenwaldes eine traumhafte Fernsicht, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts romantische Ausflügler:innen anzog.

Auf einen Blick

64367 Mühltal

vorübergehend geschlossen

HESSEN

Geschichte

Frankenstein. Der Name der Burg hat es durch das vielfach in Literatur und Film variierte Motiv des zuerst von der Engländerin Mary Shelley (1793-1851) erzählten Themas zu internationaler Bekanntheit gebracht. In ihrem 1818 erschienen Buch „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ lässt sie Dr. Viktor Frankenstein einen künstlichen Menschen erschaffen. Sein Geschöpf wird zum Monster und zu einem Synonym für das Grauen schlechthin.

Auf die in Darmstadt und Umgebung nach dem Zweiten Weltkrieg stationierten Soldaten muss der Name der Burg magisch gewirkt haben. Nach einer Live-Sendung des American Forces Network von der Burg, die die Ruine als „the real home of the monster“(das wahre Zuhause des Monsters) empfiehlt, gibt es 1976 auf der Frankenstein erstmals ein Gruselspektakel zu Halloween und begründet eine Tradition.

Burg Frankenstein

Über die Ruine der Kernburg mit dem 1892 aufgestocktem Turm geht der Blick weit nach Westen in die Rheinebene.

Foto: Michael Leukel, 2020

Die Geschichte der Burg, die wenige Kilometer südlich von Darmstadt auf dem nördlichsten Ausläufer des Odenwaldes liegt und zur Gemeinde Mühltal gehört, beginnt 1252. Erstmalig wird in einer Urkunde der Frankenstein erwähnt sowie sein vermutlicher Erbauer, Konrad Reiz von Breuberg. Mit seiner Gemahlin Elisabeth von Weiterstadt begründet er hier eine eigene Herrschaft und die Familie von Frankenstein.

Bequemlichkeit war nicht vorrangig, sondern Verteidigung

Aus dieser frühen Zeit sind noch die südlichen Teile der Kernburg erhalten. Sie liegt rechterhand des Westtores, das man vom zentralen Besucherparkplatz erreicht. Zur Kernburg gehörte des Weiteren der sie überragende Turm, der Küchenbau und der herrschaftliche Palas. Noch heute ist die Enge der Burg erkennbar und dass Bequemlichkeit kein Gesichtspunkt beim Bau einer mittelalterlichen Burganlage war – sie diente allein der Verteidigung gegenüber Angreifern und dem Schutz ihrer Bewohner:innen.

Um 1400 wurde die Frankenstein um die nördlich gelegene Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden und Gesindewohnungen erweitert. Nach Jahren voller Querelen mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt um Fragen der Konfession und die Ausübung von Hoheitsrechten verkaufte die Familie von Frankenstein 1662 Burg und Herrschaft an Landgraf Ludwig VI. Von dem Erlös erwarben die Frankensteiner eine Herrschaft im mittelfränkischen Ullstadt, wo ihre Nachfahren heute noch leben.

Burg Frankenstein, Torturm

Aus dem späten 14. Jahrhundert stammt der Torturm, dessen Rückseite wohl schon im Mittelalter offen war. Durch ihn führt der Weg in die ehemalige Vorburg und zum Restaurant mit Aussichtsterrasse.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Frankenstein im Grünen

Inmitten dichten Waldes gelegen weckte Burg Frankenstein zur Zeit der Burgenromantik verklärte Erinnerungen an die sagenumwobene Zeit der Ritter.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Frankenstein, Mauerreste des Wohnbaus

Die Mauerreste des Wohnbaus in der Kernburg zeigen noch heute, dass das Leben in mittelalterlichen Burgen kein Luxus war.

Foto: Michael Leukel, 2020

Die Romanautorin Shelley war nie da

Mit der Nutzung als Gefängnis und der Unterbringung von Militärinvaliden verfiel die zuvor nie belagerte oder zerstörte Burg. Zu Beginn des des 19. Jahrhunderts wurde der Frankenstein – umgeben von dichten Wäldern und mit herrlichem Fernblick – zum Ziel von Wanderern und Ausflügler:innen, die in sagenumwobener, einstiger Ritterromantik schwelgten. Dass Mary Shelley die Ruine während ihrer Rheinreise 1814 besucht haben soll und dort zu ihrem Roman inspiriert wurde, verweisen Historiker heute jedoch in das Reich der Fantasie.

Großherzog sorgt für Schutz der Ruine

Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein ließ den noch vorhandenen Ruinenbestand vor weiterem Verfall sichern und unter anderem die beiden Türme nach damals zeitgemäßem Geschmack wiederherstellen. In der Vorburg wurde in den 1960er Jahren anstelle der historischen Wirtschaftsgebäude eine moderne Gaststätte eingerichtet.

Ein Ort für Feiern

Von der Terrasse genießt man eine wunderbare Aussicht in Richtung Rheinebene, Frankfurt, Taunus und Pfälzerwald. Gerne werden die Räume für Feierlichkeiten genutzt, wie von Hochzeitspaaren, die sich in der spätgotischen und um 1850 wiederhergestellten Burgkapelle bei standesamtlichen, kirchlichen oder freien Trauungen ihr Jawort geben.

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