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Burg Breuberg

Mächtig erhebt sich Burg Breuberg über dem Tal der Mümling im Vorderen Odenwald. Allen Fehden und Kriegen ihrer gut 800-jährigen Geschichte hat sie getrotzt. Heute gehört sie zu den am besten erhaltenen Burgen im süddeutschen Raum. Eine Jugendherberge bringt junges Leben in die alten Mauern.

Auf einen Blick

Burgstraße
65747 Breuberg

Außengelände frei zugänglich

HESSEN

Geschichte

Wer heute als Tagesausflügler:in oder Gast der Jugendherberge Burg Breuberg in friedlicher Absicht „erobert“, muss dieselben Verteidigungsanlagen überwinden, wie ein Angreifer des 17. Jahrhunderts: Es geht einen langen Aufgang hinauf, vorbei an Mauer und Schießscharten, über Wall und Graben, durch das Vortor und über die Brücke, durch das untere Burgtor und schließlich durch das Romanische Portal hinein in die Kernburg.

Dieser Weg ins Burginnere ist gleichzeitig ein Gang durch die Geschichte der Burgenbaukunst zwischen dem 12. und dem 17. Jahrhundert. Da die Burg im Vorderen Odenwald über dem Tal der Mümling nie zerstört wurde und nahezu durchgängig bewohnt war, ist sie heute in all ihren Zeitschichten authentisch erhalten.

Burg Breuberg, Zugang zur Kernburg

Die Kernburg der Stauferzeit erreicht man durch das romanische Portal, das noch aus der Zeit der Erbauung erhalten ist. Daneben der sogenannte Hexenturm, im Hintergrund der romanische Bergfried.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Breuberg, Brunnen

Die Brunnenhalle mit dem alten Burgbrunnen und seinem rekonstruierten Laufrad ist eine Attraktion für Besucher:innen

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Breuberg, Blick in den Brunnen

Der Blick in den Brunnen ist atemberaubend. 85 Meter ist er tief und versorgte die Burgbewohner:innen verlässlich mit Wasser.

Foto: Michael Leukel, 2020

Von den Anfängen zeugen noch der mächtige Bergfried aus Buckelquadern und das romanische Tor der Kernburg. Zusammen mit der Ringmauer bilden sie eine typische Burg der Stauferzeit, also der Jahre zwischen 1138 bis 1250, in denen die Adelsfamilie der Staufer die römisch-deutschen Könige und Kaiser stellten. Als die Familie der Erbauer, die Herren von Breuberg, 1323 im Mannesstamm ausstarben, erbten gleich vier Adelsgeschlechter die Burg und verwalteten sie als herrschaftliche Wohngemeinschaft - Breuberg wurde damit zu einer sogenannten Ganerbenburg.

Ein Brunnen, 85 Meter tief

Besitzverhältnisse und das gemeinsame Leben waren vertraglich geregelt. Jede Familie hatte einen Bereich der Burg baulich zu unterhalten, die Instandhaltung der Wehranlagen und des 85 Meter tiefen Brunnens, heute ein Höhepunkt jeder Burgführung, geschah gemeinschaftlich. Eine der vier Familien, die Grafen von Wertheim, brachte die Burg durch Zukäufe ganz in ihren Besitz und bauten sie ab dem ausgehenden 15. Jahrhundert unter anderm mit vier gewaltigen Türmen einer Geschützplattform, der „Schütt“ und Graben zur Festung aus; die neuen aufkommenden Feuerwaffen verlangten entsprechende Verteidigungsanlagen.

Johann Casimir-Bau - ein Renaissance-Juwel

Unter den folgenden Besitzern, den Grafen von Erbach und den Grafen von Löwenstein-Wertheim, waren Wohnlichkeit und Repräsentation neben der Verteidigung die wesentlichen Aspekte ihrer Bautätigkeit. Ganz im Stil der Renaissance, der geprägt ist durch das Ideal der Antike, zeigt sich der Johann Casimir Bau. Die prachtvolle Stuckdecke des Rittersaals ist sowohl mit einer Wappenfolge der Löwenstein-Wertheim’schen Ahnen geschmückt als auch mit mythologischen Sagengestalten der griechischen Antike und einem Fries griechischer und römischer Götter - ergänzt durch versteckte Szenen alltäglicher Bedürfnisse.

Burg Breuberg, Armbrustschützer am Wertheimer Zeughaus

Ein Armbrustschütze am Wertheimer Zeughaus verdeutlicht die Funktion des Gebäudes als Waffenmagazin. Die Inschriften verweisen auf den Baumeister und das Jahr der Erbauung 1528.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Breuberg, Johann Casimir Bau

Die prachtvolle Renaissance-Decke des Rittersaals im Johann-Casimir-Bau zeigt Wappen der Vorfahren und zahlreiche Szenen der antiken griechischen und römischen Sagenwelt.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burg Breuberg, Wilhelms- und Michaelsturm

Blick auf die südöstliche Ecke der Burg mit Wilhelmsturm und Michaelsturm

Foto: Michael Leukel, 2020

Im 18. Jahrhundert verlor Breuberg als Herrschaftssitz an Bedeutung, blieb aber im Besitz der beiden Familien, die sie 1919 an das Deutsche Jugendherbergswerk verkauften. Inzwischen ist die Burg im Besitz des Landes Hessen. Ende des Zweiten Weltkriegs waren Zwangsarbeiter in der Burg untergebracht - kyrillisches Graffiti im Zinnenkranz des Bergfrieds erinnert heute noch an diese Zeit und spannt den Bogen von der ältesten Geschichte Breubergs bis zur jüngsten.

Heute bringen Burgschänke, ein kleines Museum und die Jugendherberge Leben in die alten Mauern. Und wer den steilen Anstieg zur Burg scheut, kann ihr Panorama von Ferne genießen - je nach den Lichtverhältnissen beeindrucken die Mauern aus rotem Mainsandstein durch ein faszinierendes Farbenspiel.

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