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Kloster Konradsdorf

Klosterkirche und Propsteigebäude gehören zu den schönsten Bauten der Romanik in der Wetterau. Die stauferzeitlichen Zeugnisse erzählen vom ehemaligen Prämonstratenserinnenkloster, das mit Ländereien, Pachteinnahmen und Schenkungen durch Adelige im Spätmittelalter seine Blütezeit erlebte.

Auf einen Blick

Am Kloster
63683 Ortenberg - Konradsdorf

wegen Sanierung derzeit geschlossen

Nächste Veranstaltung

20.08., 14:00–15:30 – Aktionswoche: Expertenführung "Zur Bau- und Restaurierungsgeschichte des Kloster Konradsdorf"

HESSEN

Geschichte

Konrad, ein Lehensmann des Benediktinerabtei Fulda, hat im 8. Jahrhundert westlich des Ortenberger Stadtteils Selters auf einer Anhöhe oberhalb der Nidder einen Herrenhof gegründet. Dieser wurde um 1000 zu einer kleinen Burganlage umgestaltet und, wie zahlreiche andere Burgen im ausgehenden 12. Jahrhundert, in ein Kloster umgewandelt.

Ein Kloster mit ausgedehntem Besitz

Das Kloster wird 1191 erstmals urkundlich erwähnt, 1219 der Orden der Prämonstratenserinnen benannt. Dieser war besonders für unverheiratete Frauen des Wetterauer Adels attraktiv. Durch Schenkungen aus diesen Kreisen erlangte das Kloster einen ansehnlichen Besitz und zählte in seiner Blütezeit im 14. Jahrhundert 64 Nonnen, umfasste vier Bauernhöfe und zahlreiche Ländereien mit Pachteinnahmen. Die ummauerte Anlage mit ihren Wohn- und Wirtschaftsbauten entspricht annähernd dem ehemaligen Klostergelände.

Im Zentrum eine ehemals dreischiffige Basilika

Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit halbrunder Apsis war recht schlicht gehalten. Sie wurde auf den Fundamenten einer kleineren fränkischen Saalkirche erbaut, die vermutlich Teil der früheren Burganlage war. Das nördliche Seitenschiff wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Im Innern haben sich Teile eines rötlichen Wandverputzes erhalten, oberhalb der Arkaden sogar Wandmalereireste.

Im Westen befand sich einst die Nonnenempore, wie an den Konsolen ablesbar ist. Kunsthistorisch bedeutsam sind die Pfeilerkapitelle, die zum Teil mit Drachenköpfen verziert sind, sowie die Grabplatten der Familie von Breuberg aus gotischer Zeit.

Kloster Konradsdorf, Klosterkirche, Ansicht von Süden

Klosterkirche, Ansicht von Süden

Foto: Anja Dötsch, 2014

Kloster Konradsdorf, Kirchenschiff

Blick ins Kirchenschiff nach Osten

Foto: Espelohra, 2011

Kloster Konradsdorf, Ostapsis

Ostapsis vor der Restaurierung

Foto: Katarina Papajanni, 2017

Südlich an die Kirche grenzt ein zweigeschossiges Gebäude. Es befindet sich außerhalb des ehemaligen Klausurbereichs der Nonnen und diente wahrscheinlich dem Propst als Wohnhaus. Dieser war der geistliche Aufseher des Klosters und vertrat es in Geschäften nach außen.

Kostbare Arbeiten von Steinmetzen

Der Bau beinhaltet im Obergeschoss eine Gebetsnische, und war mit einer vierbogigen Arkade bewusst repräsentativ angelegt und zum Niddertal ausgerichtet. Die kostbaren Steinmetzarbeiten an den Fensterarkaden zeigen die Nachbarschaft zu Burg Münzenberg und zur Burg Büdingen. Die Konsole mit drei Köpfen an der Ostseite, Rest eines ehemaligen Kapellenerkers, erinnert an andere Burgen der Stauferzeit.

Kloster Konradsdorf, Propsteigebäude

Das Propsteigebäude im noch unrestauriertem Zustand

Foto: SG, 2012

Kloster Konradsdorf, Obergeschoss des Propsteigebäudes

Obergeschoss des Propsteigebäudes

Foto: Espelohra, 2011

Kloster Konradsdorf, Arkadenfenster mit Sitzbänken

Obergeschoss des Propsteigebäudes, Arkadenfenster mit Sitzbänken

Foto: Espelohra, 2011

Kloster Konradsdorf, Biforium

Biforium im Obergeschoss des Propsteigebäudes

Foto: Isabell Köhr, 2019

Im Rahmen der Reformation wurde das Kloster 1581 säkularisiert und in einen Gutshof umgewandelt. Nach heftigen Zerstörungen der Klosteranlage im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche im 18. Jahrhundert vom Grafen zu Hanau saniert und ihr Chor leicht barockisiert.

Landesinvestitionen in den Erhalt von Klosterkirche und Propsteigebäude

Die Wirtschaftsgebäude wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts teils erneuert, die Kirche vorübergehend als Pferdestall mit Hirtenwohnung genutzt. Die heutigen Hofgebäude stammen großenteils aus dem ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Aktuell findet eine umfassende Restaurierung von Klosterkirche und Propsteigebäude statt, die der Substanzerhaltung dient und mit einem neuen Informationsraum den Besuch dieses romanischen Kleinods noch attraktiver machen wird.

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