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Hafenbecken Bad Karlshafen

Das Hafenbecken von Bad Karlshafen ist die nördlichste Liegenschaft der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens. Als es zu Beginn des 18. Jahrhunderts angelegt wurde, war es Teil eines kühnen Vorhabens: Der Kasseler Landgraf Karl wollte mit einem Kanal zwischen Lahn und Weser sein Land direkt mit der Nordsee verbinden.

Auf einen Blick

34385 Bad Karlshafen

Hafengelände frei zugänglich

HESSEN

Geschichte

Im beschaulichen Hafen von Bad Karlshafen, der nördlichsten Gemeinde Hessens, ankern heute kleine Yachten und Freizeitboote vor der eindrucksvollen Kulisse des barocken Rathauses. Geplant war die Anlage am Zusammenfluss von Weser und Diemel als Teil eines kühnen Projektes, das Landgraf Karl von Hessen-Kassel (1654-1730) ab 1710 forcierte.

Er wünschte, dass von dort aus Handelsgüter über einen Kanal bis zur Fulda und in die Residenzstadt Kassel transportiert werden. Perspektivisch sollte die Wasserstraße von dort weiter nach Marburg in die Lahn und damit letztlich in den Rhein führen, um Rhein und Weser auf dem Gebiet der Landgrafschaft Hessen-Kassel miteinander zu verbinden.

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Seit Mai 2019 können in Bas Karlshafen wieder Ausflugsschiffe anlegen.

Foto: Michael Leukel, 2019

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Ein Denkmal erinnert an den Landgraf Carl, den Initiator des Großprojektes.

Foto: Michael Leukel, 2019

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Zur blauen Stunde am Hafen.

Foto: Michael Leukel, 2019

Bauvorhaben sollte die Wirtschaft stärken

Diese schier unglaubliche Idee, die heute als reine Utopie erscheint und auch nur auf knapp 19 Kilometern verwirklicht wurde, hatte aus damaliger Sicht einen guten Grund. Landgraf Karl wollte sein Land, das noch vom 30-jährigen Krieg gezeichnet war, politisch und wirtschaftlich stärken.

Gemäß den Prinzipen der damals vorherrschenden Wirtschaftspolitik (Merkantilismus) bedeutete das, die inländische Produktion zu steigern, den Überschuss zu exportieren und so die Wirtschaft im eigenen Land großzügig zu fördern.

Neue Heimat für Hugenotten

In diesem Bestreben hatte Karl 1699 im nördlichsten Teil seines Landes die Stadt Sieburg gegründet, die 1717 zu seinen Ehren in Karlshafen (Carlshaven) umbenannt wurde. Hier siedelte er Hugenotten an, französische Protestanten, die aus Frankreich geflüchtet waren, nach dem König Ludwig XIV. dort 1685 den Katholizismus zur alleinigen Staatsreligion erhoben hatte.

Hugenotten waren Spezialisten im Textilgewerbe und machten ihre neue Heimat zu einem Zentrum dieser Industrie. Über den geplanten Kanal sollten die Textilwaren ausgeführt werden, ohne sie auf dem Weg von der Weser in die Fulda in Hannoversch Münden (das zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel gehörte) zwangsweise feilbieten zu müssen, oder dieses Stapelrecht der Stadt durch Zahlung von Zoll zu umgehen.

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Vom Hafen aus sollten Lastkähne Waren bis nach Kassel transportieren. Dieser ehrgeizige Plan scheiterte, hinterließ jedoch eine beeindruckende Anlage in der barocken Stadt.

Foto: Michael Leukel, 2019

Eine Stadtanlage um das Hafenbecken

1713 begann der Bau der Karlshafener Hafenanlage. Daneben legte man 1715 den Grundstein für ein prachtvolles Pack- und Zollhaus, das nach 1730 als Rathaus genutzt wurde. Um das Hafenbecken herum entstand die barocke Stadtanlage. Das ehrgeizige Kanalprojekt wurde von 1710 bis 1730 zwischen Karlshafen und Schöneberg bei Hofgeismar fortgeführt. Mit dem Tod des Landgrafen wurde es nicht weiterverfolgt. Seit den 1930er Jahren war das Hafenbecken durch den Bau der Weserstraße (B80) vom Hafen abgeschnitten.

Hafen seit 2019 wieder in Betrieb

2017 startete zur Belebung des Wirtschaft und des Tourismus in Bad Karlshafen das Projekt „Wiederanbindung des historischen Hafens an die Weser“, von der Bundesrepublik Deutschland als „Nationales Projekt des Städtebaus“ gefördert. Im Frühjahr 2019 wurde der historische Hafen wieder für den Schiffsbetrieb geöffnet und ist von der Weser aus über eine neue Schleuse befahrbar.

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