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  • Burgruine Ehrenfels

UNESCO Welterbe Burgruine Ehrenfels

Noch im 17. Jahrhundert war sie eine Burg so herrschaftlich wie ein Schloss – heute ist die ehemals stolze Wohn- und Zollstätte eine Ruine: Als malerische Landmarke bildet die Ehrenfels das Entrée zum UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal mit seiner berühmten Kette von Burgen. Sie ist nur von außen zu besichtigen.

Auf einen Blick

65385 Rüdesheim am Rhein

aus Naturschutzgründen derzeit geschlossen

HESSEN

Geschichte

Am Ende des Rheingaus knickt der Rhein scharf von seinem Lauf westwärts in Richtung Norden ab. Dort, etwa 80 Meter über dem Wasserlevel an Stromkilometer 530,2 liegt die Ruine der Burg Ehrenfels. Sie erhebt sich bei Rüdesheim am Rhein als Landmarke am Eingang zum 67 Kilometer langen UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal – sozusagen als Auftakt einer großen Dichte aufgereihter Burgen, die diese alte Kulturlandschaft im engen Durchbruch des Rheinischen Schiefergebirges prägen. Eigentlich sind es wieder aufgebaute Bergschlösser mit Hotellerie und Gastronomie. Oder es handelt sich um die Reste zerstörter Burgen als Sehenswürdigkeiten.

Burgruine Ehrenfels, Blick vom Bingener Rheinufer aus

Blick vom Rhein auf die Burgruine Ehrenfels auf ihrem Fels und in steiler Hanglage.

Foto: Michael Leukel, 2019

Burgruine Ehrenfels

Die Ruine Ehrenfels liegt rechtsrheinisch hinter der Stadt Rüdesheim am Rhein.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burgruine Ehrenfels, Hangweg

Die Ehrenfels liegt inmitten von Weinbergen. Ein mittlerer Hangweg führt von Rüdesheim zu ihr.

Foto: Michael Leukel, 2019

So eine ist auch die von Weinlagen umgebene Ehrenfels. Ihre alte Herrlichkeit erlosch, weil der französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. (1638-1715), der ein kriegerischer Fürst war, wenig von ihr stehen ließ. Als er im Pfälzischen Erbfolgekrieg auf das ausgestorbene Grafenhaus Pfalz-Lautern und Pfalz-Simmern Ansprüche erhob, überzogen seine Truppen die Gegenden mit einer brutalen Militärstrategie.

Verbrannte Erde

Der „verbrannten Erde“ fiel die Burg am 30. Mai 1689 zum Opfer und so gibt sie heute über ihren ursprünglichen architektonischen Zustand nur noch geringe Auskunft. Den 30jährigen Krieg von 1618-1648 hatte sie trotz mehrfacher Belagerungen noch weitgehend unbeschadet überstanden.

Das „castrum in Erenvails“ war ein Schmuckstück und mehr Schloss als Burg. Eine Darstellung im „Thesaurus philopoliticus“, zu deutsch „Politisches Schatzkästlein“, von der Mitte des 17. Jahrhunderts, gibt ihre schöne Gestalt wahrscheinlich gut wieder.

"castrum in Erenvails"

Zwischen 1208 und 1220 errichtete sie Philipp III. von Bolanden wohl anstelle eines Vorgängerbaus. Nachrichten dazu fehlen – sie taucht erst schriftlich auf, als dessen Witwe sie an den früheren Dienstherren, den Mainzer Erzbischof, herausgeben musste.

Die trapezförmige Kernburg mit engem Hof verfügte über einen langgestreckten, dreistöckigen Palas zum Rhein hin sowie eine kolossale Schildmauer mit Wehrgängen und zwei runden Türmen an dem zum Niederwald ansteigenden Nordhang. Auf dieser Seite schützte ein Halsgraben.

Umbau und Erweiterungen im Spätmittelalter

Im 14. Jahrhundert, als bis auf kurze Besitzunterbrechungen die Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten sie als Residenz und zeitweiligen Hort des Domschatzes nutzten, wurde sie erstmals umgebaut, später noch nach Osten erweitert. Es entstanden neue Obergeschosse und Bekrönungen der Flankierungstürme, die nun 33 Meter hoch waren, ein zweiter Wehrgang und hinter einer Ringmauer neben einem Torzwinger ein weiterer Wohnbau, schließlich ein zusätzliches Tor mit Zugbrücke.

Burgruine Ehrenfels, Innenansicht

Ansicht des engen Innenhofs mit einer damals aufwendig konstruierten Filterzisterne.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burgruine Ehrenfels, Zugang ehemaliger Wohnbereich

Blick auf den Zugang zum ehemaligen Wohngebäude, ein dreistöckiger Palas.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burgruine Ehrenfels, Wehrgänge

Die Schildmauer verfügte über zwei Wehrgänge. Dies ist der obere mit Zinnen bewehrte.

Foto: Michael Leukel, 2020

Burgruine Ehrenfels, Zinnengang

Noch nach ihrer Zerstörung war die Burg im 19. Jahrhundert bewohnt.

Foto: Michael Leukel, 2020

Am Rheinufer, der Burg zu Füßen, lagen nicht erhaltene Häuser, denn die Ehrenfels erfüllte schon seit dem frühen 14. Jahrhundert auch die Funktion einer Zolleinnahmestätte für das Mainzer Erzstift, das Domkapitel und andere Nutznießer.

An dieser Station war kein Vorbeikommen

Dazu gehörte auch der Mäuseturm auf einer vorgelagerten Insel. Insgesamt eine perfekte Zwinge am schwer passierbaren Binger Loch im Rhein, an denen Handelsschiffe nur langsam vorankamen. Der Maut-Turm, der durch eine Sage zum Maus-Turm wurde, ist zu besichtigen, die Burgruine Ehrenfels leider nur von außen. Ein Falkenpaar brütet seit vielen Jahren dort und im Zweifel geht Naturschutz vor Tourismus.

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