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Geschichte

Schloss Steinau thront imposant über dem Kinzigtal, an der im Mittelalter wichtigen Handelsstraße zwischen Frankfurt und Leipzig. Vermutlich im späten 13. Jahrhundert als Burg gegründet und immer wieder erweitert, erinnert die originale Bausubstanz noch heute an die verschiedenen Epochen. Prägend für das Erscheinungsbild der Anlage ist jedoch der Umbau zur bastionierten fünfeckigen Renaissancefestung unter den Grafen von Hanau-Münzenberg im frühen 16. Jahrhundert.

Festung und Schloss gleichzeitig

Die Einzelformen sind noch stark von der Spätgotik geprägt. Als Vorbild für den Bau wirkten vor allem sächsische Schlösser mit den so charakteristischen Vorhangbogenfenstern. Geschützscharten, ein breiter Graben und die mit Zugbrücken und Fallgattern gesicherten Tore machten das Schloss zu einem wehrhaften Bau. Diese Elemente zeitgenössischer Festungsarchitektur verbinden sich mit einer geometrischen Strenge und Eleganz, die den repräsentativen Ansprüchen eines Renaissanceschlosses entsprach.

Steinau, Luftbild

Im fünfeckigen Grundriss kommt die Vorliebe der Renaissance für eine klare geometrische Formsprache zum Ausdruck.

Foto: SG, 2020

Aufwändige Ausstattung

In diesem Sinne ließen die Grafen von Hanau-Münzenberg auch die Innenräume prachtvoll ausstatten. Die qualitätsvollen Wandmalereien mit Renaissance-Ornamenten und antikisierenden Porträtmedaillons zierten die Säle und Appartements. Tische, Bänke, aber auch Renaissance-Truhen und Bildnisse in der Hofstube erinnern an die Einrichtungszeit. Die Küche wurde mit Geräten des 19. Jahrhunderts ausgestattet, die aber um 1550 kaum anders aussahen. Die Ausmaße der Anlage, die feine Ausführung der Baudetails und die aufwändige Ausstattung sprechen dafür, dass Schloss Steinau ursprünglich als Nebenresidenz der Grafen von Hanau-Münzenberg dienen sollte, wenngleich es größtenteils als hanauischer Witwensitz genutzt wurde.

Steinau, Aussenansicht

Zugang zum Schloss Steinau über den Hirschgraben durch das südliche Torhaus.

Foto: Michael Leukel, 2020

Steinau innenhof

Der Nordflügel des Schlosses.

Foto: Michael Leukel, 2020

Steinau bei nacht

Blick auf den östlichen Flügel des Schlosses mit dem hohen Turm.

Foto: Michael Leukel, 2020

Steinau abendimpression

Schloss Steinau verfügt über einen eigenen Küchenflügel, an dem man hier vorbeischaut.

Foto: Michael Leukel, 2020

Gute Erhaltung vermittelt authentischen Eindruck

Als 1736 die Grafschaft Hanau an die Landgrafschaft Hessen-Kassel fiel, verlor das Schloss seine einstige Bedeutung und blieb in der Folgezeit von Umbauten weitgehend verschont. Nach dem Ende der landgräflichen Herrschaft 1821 wurde es von verschiedenen staatliche Einrichtungen genutzt und befindet sich seit 1957 in der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen. Der einstige Bedeutungsverlust des Schlosses war ein kunsthistorischer Glücksfall. Die Anlage vermittelt dank ihres außergewöhnlich guten Erhaltungszustands einen authentischen Eindruck vom Aussehen eines befestigten Schlossbaus an der Übergangszeit zwischen Mittelalter und Neuzeit.

Steinau wandmalerei

Wandmalereien sind in vielen Räumen des Schlosses erhalten. Dieses wird von einem späteren Einbau teils verdeckt.

Foto: Espelohra, 2012

Steinau hofstube

Blick in die Hofstube.

Foto: Espelohra, 2012

Grimm-Ausstellung

Heute kann das Schloss als Museum besichtigt werden, und es beherbergt neben baugeschichtlicher Exponate auch eine Grimm-Ausstellung. Die berühmten Brüder verbrachten nämlich ihre Kindheit in Steinau, weshalb nun im Schloss Originalstücke aus dem Familienbesitz gezeigt werden, die das Leben und Werk der Brüder lebendig werden lassen.