Schriftgröße:

Burgruine Wilhelmsbad

Die Burgruine im hessischen Staatspark Hanau-Wilhelmsbad bildete einst eine Szene inmitten einer kunstvoll gestalteten Landschaft zu allen Seiten der Kurgebäude. Sie ist heute eine begehbare Fürstenwohnung, in der die Zeit stehen geblieben ist. Wer sie besucht, wundert sich vor allem über den Kontrast zwischen außen und innen.

Doch dieser war von dem Schöpfer und Bauherren des Wilhelmsbades, des Erbprinzen und Hanauer Grafen Wilhelm (1743-1821), so gewünscht: In ihrer äußeren Baugestalt täuscht sie Abgelebtheit und Verfall vor. Die Einfassung des Gebäudes mit Eichen sollte den Effekt verstärken. Die Innenräume ließ der Graf dagegen kunst- und prachtvoll ausstatten. Denn dorthin zog er sich von den Verpflichtungen in der nahen Hanauer Residenz zurück.

Burgruine3

Über den Braubach führten einst drei Brückenwege hinüber auf die Insel. Eine Brücke ist noch erhalten.

Foto: Michael Leukel, 2018

Burgruine5

Zierliche, kostbar eingerichtete und ausgestattete Räume ...

Foto: Michael Leukel, 2018

Burgruine6

... befinden sich im ersten Stock der Kunstruine.

Foto: Michael Leukel, 2018

Burgruine10

Der überkuppelte, repräsentativen Ansprüchen genügende große Saal liegt in der oberen Etage.

Foto: Michael Leukel, 2018

Pseudo-Burg mit Familienbildern

Dieses bemerkenswerte Refugium stellt das früheste europäische Beispiel einer pseudomittelalterlichen Burg mit Ruinencharakter in einem Landschaftsgarten dar. Man ist erstaunt über die Größe im Innern. Auf der Ebene des zweiten Stocks befindet sich ein Saal, den Wilhelm mit Grisaille-Bildnissen seiner Ahnen und seinen damals lebenden Familienmitgliedern dekorieren ließ.

Darunter ist das Porträt seiner Ehefrau, Prinzessin Wilhelmine Karoline von Dänemark (1747-1820), die er in denselben Räumen mit einer Mätresse allerdings hinterging. Im Schlafzimmer hängen Landschaftsgemälde des Malers Anton Wilhelm Tischbein. Sie dokumentieren einen frühen Zustand der Anlage, als Touristen aus dem In- und Ausland für Gesundheit und Amüsement in das beliebte Wilhelmsbad strömten.