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Geschichte

Die geometrisch-formale Ordnung des Prinz-Georg-Gartens lässt den gartenkünstlerischen Einfluss Frankreichs im 18. Jahrhundert erkennen. Orangeriegarten, Wasserbassin, Heckentheater, Boskette und Sonnenuhren sind die dafür prägenden Elemente.

Zwei Gärten in einem

1764 schenkte Landgraf Ludwig VIII. (1691-1768) seinem zweitgeborenen Lieblingssohn Prinz Georg Wilhelm (1722-1782) die Anlage. Entstanden war sie aus zwei ursprünglich unabhängigen Gärten: dem Garten Landgraf Ernst Ludwigs von Hessen-Darmstadt (1667-1739) mit einem kleinen Palais und dem von Ludwig dazu erworbenen, unmittelbar angrenzenden Garten des Generalleutnants Rudolf von Pretlack (1668-1737) mit einem zierlichen, bunt bemalten Gartenhaus. Bis heute ist diese Zusammenlegung in dem unverwechselbaren Grundriss und den beiden, sich rechtwinklig kreuzenden Hauptachsen, sichtbar. Auf besondere Art verbunden wurden damit auch Zier- und Nutzgarten: In den von Buchshecken eingefassten Beeten wechseln sich Blumen, Obstgehölze, Kräuter und Gemüse ab.

Familienfeiern im Idyll

Nicht nur bürgerliche, auch viele adlige Haushalte besaßen zu dieser Zeit einen Garten. Aus ihm versorgten sie sich mit Lebensmitteln und schufen sich eine ländliche Atmosphäre, um selbst im vermeintlich idyllischen, damals romantisch verklärten, Bauern- und Hirtenleben zu schwelgen.

Prinz-Georg-Garten, Palais

Blick auf das Prinz-Georg-Palais, in dem sich seit 1908 das Porzellanmuseum mit der großherzoglich-hessischen Porzellansammlung befindet.

Foto: Michael Leukel, 2019
Prinz-Georg-Garten, Kräutergarten

Blick über den Kräutergarten auf das Pretlacksche Gartenhaus

Foto: Michael Leukel, 2019

Prinz-Georg-Garten, Pretlacksches Gartenhaus

Generalleutnant Rudolf von Pretlack ließ Anfang des 18. Jahrhunderts sein Gartenhaus von dem Mainzer Architekten Maximilian von Welsch errichten.

Foto: Michael Leukel, 2019

Familiärer Rückzugsort

Für Georg Wilhelm war der Garten hinter den hohen Mauern vor allem ein intimes Refugium. Hier zog er sich mit seiner Familie und aristokratischen Freunden von den offiziellen Verpflichtungen und der höfischen Etikette zurück und genossen unbeschwerten Zeitvertreib und ungezwungene Festlichkeiten.

Später nur noch Gartenland

Mit dem Tod von Georg Wilhelms Tochter Luise, Großherzogin von Hessen und bei Rhein (1761-1829) endete die enge Verbundenheit der Darmstädter Fürstenfamilie mit dem Garten. Anfänglich als Sitz der großherzoglichen Gartenbaudirektion noch gut erhalten, verlor die Anlage später als Domizil einer Handelsgärtnerei und infolge der teilweisen Verpachtung als Gartenland ihre ursprüngliche Gestalt.

Prinz-Georg-Garten, Orangerie

Blick auf den Orangeriegarten

Foto: Michael Leukel, 2019
Prinz-Georg-Garten, Sonnenuhr

Eine der beiden Sonnenuhren aus Sandstein, die den Garten zieren.

Foto: Michael Leukel, 2019
Prinz-Georg-Garten, Sitznische

Am Ende der vom Palais ausgehenden Achse lädt eine Sitznische zum Verweilen ein.

Foto: Michael Leukel, 2019
Prinz-Georg-Garten, Sonnenuhr, Detail

Landgraf Ludwig VIII. ließ die Sonnenuhren im Garten errichten. Sie zeigen eine kleine Wetterfahne mit seinem Spiegelmonogramm.

Foto: Michael Leukel, 2019

Obst und Gemüse wird verkauft

Seit 1947 steht der Prinz-Georg-Garten in der Obhut der Hessischen Schlösserverwaltung, die ihn aufgrund umfangreicher Forschungen wieder rekonstruiert und in das Kleinod zurückverwandelt hat, das es einst war. Die historische Bepflanzung mit der charakteristischen Kombination aus Zier- und Nutzpflanzen ist nicht nur eine Augenweide – Obst, Gemüse und Pflanzen werden im Sommer auch zu bestimmten Zeiten von der Gärtnerei verkauft.

Pretlacksches Gartenhaus und Prinz-Georg-Palais

Im Pretlackschen Gartenhaus gibt es ein öffentliches Lesezimmer, bestückt aus Bücherspenden, in dem man sich nach Herzenslust an den dort bereitstehenden Büchern bedienen und diese drinnen oder draußen im Park lesen kann. Das Prinz-Georg-Palais beherbergt seit 1908 das Porzellanmuseum mit der großherzoglich-hessischen Porzellansammlung, die zwischen April und November geöffnet ist.