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Geschichte

Das Fürstenlager ist ein Ort für aktive Entschleunigung. Die Welt scheint stiller zu werden und die Zeit langsamer zu verstreichen, begibt man sich in den hessischen Staatspark bei Bensheim-Auerbach: Am Grund eines Talkessels liegt ein hübsches Gebäudeensemble, das eingefasst ist von steilen Wald-, Wiesen- und Weinhängen. Eingeschmiegt in die natürliche Topographie des Odenwaldes am Übergang zur Oberrheinischen Tiefebene ist es nicht anders als idyllisch zu nennen. So mögen es auch die Fürst:innen empfunden haben, die es einst in die Lage versetzte, höfischen Zwängen zu entfliehen.

Versiegende Quelle verhindert Badebetrieb

Angefangen hatte alles mit einem verhindertern ‚Bade’betrieb. Eine Quelle mit roter, fetter Flüssigkeit war gefunden worden und man versprach sich Heilung vieler Zipperlein. Scharen von Menschen strömten zu ihr, doch diese war, 1739 kaum gefasst, schnell wieder verschlämmt. Als viele Jahre später landgräfliches Interesse darauf fiel, sollte ein lukratives Kurbad etabliert werden und erste Pavillons entstanden. Doch die Pläne verfielen und der Mineralgehalt des „Guten Brunnens“ war ohnehin zu gering. Es blieb bei Trinkkuren.

Fürstenlager, Wachthäuschen

Vorne links im Dorfensemble das Wachthäuschen, das wie einige Gebäude für Veranstaltungen buchbar ist.

Foto: Michael Leukel, 2019

Fürstenlager, Baum mit Dorf im Hintergrund

Blick auf das sog. „Dörfchen“.

Foto: Michael Leukel, 2019
Fürstenlager, Herrenhaus und Freundschaftstempel

Blick auf das herrschaftliche Herrenhaus vom Freundschaftstempel herab.

Foto: Michael Leukel, 2019

Die Fürsten "lagern" in der Sommerfrische

Ein erster Kurbesuch des hessen-darmstädtischen Erbprinzen Ludwig (1753-1830) und seiner Frau Luise (1761–1829) 1783 lenkte in andere Richtungen. Sie hatten Freude an der Anlage mit dem Gesundbrunnen und kamen zur Erholung immer wieder. Als Ludwig regierender Landgraf wurde (später Großherzog Ludwig I. von Hessen und bei Rhein), ließen sie bis 1795 bestehende Gebäude im „Dörfchen“ erweitern und weitere „Lusthäuser“ errichten. Entfernt von der Residenzstadt suchte das Paar kein Plätzchen für Schäferspiele nach absolutistischer Manier. Der niedliche Komplex war echte Wohnstatt für sie und etwas Hofpersonal, eine Sommerresidenz ohne Prunk.

Englisches Vorbild der Gartengestaltung

Zugleich veränderte sich die Natur im langgestreckten Roßbachtal zu einem frühen Landschaftsgarten. Sie wurde – im Geschmack der Zeit – mit vielen Staffagebauten und Denkmalen empfindsam-sentimental. Hofgärtner Carl Ludwig Geiger wählte diese Gestaltung, denn sie ermöglichte es, die vorhandenen Äcker von Bauern, (Streuobst-)Wiesen und Weinberge über Schlängelpfade in den Park einzubeziehen. Mit diesem charakteristischen Zug sowie durch die eigene Landwirtschaft im Fürstenlager mauserte sich die schöne Gegend zu einer „Zierfarm“ (ornamental farm) nach englischer Gartenmode.

Fantastische Aussichten Richtung Odenwald und Rheinebene

Wer im schmalen Tal flaniert und auf Serpentinen die steilen Hänge heraufspaziert, atmet kräftig durch. Die Wege führen an originale oder rekonstruierte Parkarchitekturen und Gedenkorte wie die als Rindenhäuschen gestaltete Eremitage ganz im Osten, zum Freundschaftstempel oberhalb der Herrenwiese, zur Grotte und dem Luisendenkmal auf dem Nordkamm oder zum Teehäuschen auf dem südlichen Hang mit seiner unvergleichlichen Fernsicht in die Rheinebene. Die meisten Staffagen sollten Innerlichkeit stimulieren.