Neue Dauerausstellung "244ff. Von Friedrich bis Ferdinand" im Schloss Bad Homburg führt in die Landgrafenzeit

Die Geschichte der Landgrafschaft Hessen-Homburg hat nun mit der neuen Dauerausstellung „244ff. – Von Friedrich bis Ferdinand“ ihren festen Platz im Schloss. Die seit 5. Oktober für Besucher:innen zugängliche Schau erzählt anhand von 150 Exponaten in Bibliothek und Ahnengalerie im Westflügel des Schlosses von der Alltags- und Herrschaftsgeschichte während der 244 Jahre zwischen 1622 und 1866 – von Friedrich I. (1585-1638) bis Ferdinand (1783-1866), nach dessen Tod die Landgrafschaft an das Großherzogtum Hessen und wenig später an das Königreich Preußen fiel. Mit einer Feierstunde wurde die Ausstellung am 4. Oktober in der Schlosskirche feierlich eröffnet.

SG-Direktorin Kirsten Worms betonte in ihrer Begrüßung die wesentliche Rolle der Landgrafenzeit für die Stadt Bad Homburg und besonders ihr Schloss: „244 Jahre hatte die Landgrafschaft Hessen-Homburg Bestand. Die Abkürzung „ff.“ im Ausstellungstitel bezieht sich nicht nur auf die Initialen ihres ersten und letzten Landgrafen – Friedrich I. und Ferdinand –, sondern auch darauf, dass ihre Epoche in die heutige Zeit „fortfolgend“ fortwirkt.“

Hier finden Sie weitere Informationen zur Ausstellung.

Landgrafenzeit dominiert die homburgische Geschichte

Die Idee zur Würdigung der Geschichte der Landgrafenzeit mit einer eigenen Dauerausstellung entstand im vergangenen Jahr nach der Wiedereröffnung der Kaiserlichen Appartements im Königsflügel. Hier stehen die 52 Jahre ab 1866 im Mittelpunkt, als Hessen-Homburg preußisch war. Die bedeutend längere Zeit der Landgrafschaft wird zwar in der Begleitausstellung im Königsflügel erlebbar, sollte aber zusätzlich betont werden. „Unser Schloss ist und bleibt Zeugnis der landgräflichen Geschichte und diese prägende Epoche wollen wir mit der neuen Dauerausstellung erlebbar machen“, so Kirsten Worms. „Wir haben hochkarätige - und auch auf den ersten Blick unscheinbare - Exponate zum Sprechen gebracht und mit den Beständen der historischen Bibliothek in einen Dialog gesetzt.“

Donatus Landgraf von Hessen, Staatssekretärin Ayse Asar, Direktorin Kisten Worms

Donatus Landgraf von Hessen, Staatssekretärin Ayse Asar und SG-Direktorin Kirsten Worms bei der feierlichen Eröffnung

Foto: Alexander Paul Englert

Plakat 244ff

Das Titelmotiv zur neuen Dauerausstellung

Begrüßung Schlosskirche

Die Schlosskirche bot einen festlichen Rahmen für die Begrüßung.

Foto: Alexander Paul Englert

Olaf Joksch-Weinandy an der Bürgi-Orgel

Olaf Joksch-Weinandy begleitete die Veranstaltung musikalisch an der Orgel.

Foto: Alexander Paul Englert

Zehn Monate von der Idee zur Vernissage

Vor der Einrichtung der Ausstellung mussten die beiden Räume der Bibliothek und Ahnengalerie grundlegend wiederhergerichtet werden – die anspruchsvollste Aufgabe für das Team um Gesamtprojektleiter Ulrich Haroska, Chef des Fachgebiets Restaurierung der SG. Es folgte die Restaurierung der Exponate, die überwiegend von seinen Mitarbeitenden in den hauseigenen Werkstätten der SG geleistet wurde. Die Ausstellungsplanung oblag Yannick Philipp Schwarz und Nora Möritz, beide wissenschaftliche Mitarbeitende der Restaurierungsabteilung.

Dem Ausstellungsteam und allen anderen Beteiligten dankte Kunststaatssekretärin Ayse Asar in ihrem Grußwort besonders herzlich und offenbarte „Ich bin ein großer Fan der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen und ihrer Beschäftigten. Was sie leisten, ist immer wieder unglaublich.“ Weiterer Dank ging an den Hauptleihgeber der Ausstellung, die Hessische Hausstiftung, vertreten durch Landgraf Donatus von Hessen. Er würdigte besonders die Ahnengalerie und bekannte, dass auch ihm Porträts und Stammbäume helfen würden, die verwandtschaftlichen Verflechtungen der Familie besser zu durchschauen.

Grußwort Ayse Asar

Staatssekretärin Ayse Asar lobte die Arbeit der Schlösserverwaltung.

Foto: Alexander Paul Englert

Multimediales Angebot

Den Besuchenden der Ausstellung steht hierfür eine Medienstation zur Verfügung, die es ermöglicht, den Biografien der Dargestellten, entweder per Klick auf ein Bild oder auf ihren Namen im Stammbaum, in deutscher oder englischer Sprache nahezukommen. Ebenfalls multimedial vermittelt wird der sogenannte „Hundertfächerschrank“, ein prunkvoller Aufsatzsekretär, der vermutlich für Landgraf Friedrich III. Jacob (1673-1746) ins Schloss kam. Ein dreieinhalbminütiger Film zeigt das Möbelstück im Detail und zählt nach, ob die Zahl der Fächer des Sekretärs seinen Namen bestätigen.

Ulrich Haroska führt in die Ausstellung ein

Ulrich Haroska, Gesamtprojektleiter und Abteilungsleiter des Fachgebiets Restaurierung, führte in die Ausstellung ein.

Foto: Alexander Paul Englert

Medienstation in der Ahnengalerie

Neben einer digitalen Medienstation zum "Hundertfächerschrank" gibt es auch eine Medienstation, an der sich die Biografien der Portraitierten in der Ahnengalerie nachvollziehen lassen.

Foto: Alexander Paul Englert

Donatus Landgraf von Hessen in der Ausstellung

Donatus Landgraf von Hessen in der Ausstellung: Das Haus Hessen gab Leihgaben dazu.

Foto: Alexander Paul Englert

Ausstellung 244ff. in historischer Bibliothek

Die Exponate werden in Vitrinen in den Bücherregalen präsentiert und können über ein Ausstellungsbuch erschlossen werden.

Foto: Alexander Paul Englert

Direktorin Kirsten Worms, Festredner Michael Quast

Festredner Michael Quast und SG-Direktorin Kirsten Worms in der neu gestalteten Ahnengalerie

Foto: Alexander Paul Englert

„Der multimediale Zugang zur Epoche der Landgrafschaft Hessen-Homburg spricht alle Besucherinnern und Besucher an und verbindet die historischen Themen und Räumlichkeiten mit den zeitgemäßen Bedürfnissen des Publikums“, würdigte Staatssekretärin Asar. „Nach den Medienstationen in der Begleitausstellung und der in diesem Jahr gestarteten virtuellen Tour durch die Kaiserlichen Appartements wurde hier die digitale Vermittlung im Bad Homburger Schloss sehr gelungen fortgesetzt.“

Beinprothese eines Haudegens

Eines der größeren Ausstellungsstücke und zweifellos ein Hochkaräter in puncto Einzigartigkeit ist das sogenannte „Silberne Bein“ Landgraf Friedrichs II.: Ein von Schlossbaumeister Paul Andrich konstruierter mechanischer Ersatz des im Kriegs eingebüßten rechten Unterschenkels, das erstmals seit etwa zwölf Jahren wieder für die Besucher:innen zu sehen ist. Diesem bekanntesten der hessen-homburgischen Landgrafen, dem Heinrich von Kleist in seinem Drama „Der Prinz von Homburg" ein literarisches Denkmal setzte, widmete Schauspieler und Regisseur Michael Quast seinen kurzweiligen Festvortrag. Er stellte den zweiten Regenten des kleinen Staates am Taunus vor als „barockes Energiebündel sondersgleichen, Draufgänger und rücksichtslosen Dickkopf, der alle Höhen und Tiefen des Lebens eines Adligen im 17. Jahrhundert durchschritten hat - und das die längste Zeit auf nur einem Bein!“ Denn während der Belagerung von Kopenhagen 1659 soll sich Friedrich seinen rechten Unterschenkel, der nach einer Schussverletzung nur noch an einer Sehne hing, eigenhändig amputiert haben. Erst die geniale Konstruktion Paul Andrichs ermöglichte es ihm in späteren Jahren, beinahe wie ein Gesunder zu laufen und zu reiten.

Festvortrag Michael Quast

Schauspieler und Kabarettist Michael Quast hielt einen Festvortrag zu Friedrich II. mit dem "Silbernen Bein".

Foto: Alexander Paul Englert

Michael Quast betrachtet das "Silberne Bein"

Bei dem anschließenden Rundgang durch die Ausstellung konnte Quast das Exponat eingehend betrachten.

Foto: Alexander Paul Englert

Büste von Friedrich II. in der historischen Bibliothek

Auch eine Büste von Friedrich II. wird in der Ausstellung präsentiert.

Foto: Alexander Paul Englert

Auszug aus dem Festvortrag von Michael Quast

[...] wir haben es bei der Andrich'schen Prothese mit dem ältesten Kunstbein zu tun, das über einen Mechanismus verfügt, der die Kraft der Schienbein- und Wadenmuskulatur ersetzt und damit weitgehend für einen physiologisch korrekten Abrollvorgang des Fußes sorgt. Aus dem 18. und 19. Jahrhundert gibt es keine vergleichbaren Konstruktionen!

Wenn sie sich das bitte einmal vorstellen wollen: im Stand ruht der Fuß in Normalstellung. Beim langsamen Vorschreiten wird der Vorfuß (das Zehenteil) durch das Körpergewicht passiv über das Zehenscharniergelenk gebeugt. Im Augenblick des Abhebens wird der Fuß im oberen Sprunggelenk durch eine Schneckenfeder um 10 bis 15° angehoben. Gleichzeitig werden die vorher passiv gebeugten Zehen über die Blattfeder gestreckt.

Beim Aufsetzen der Verse wird der Fuß passiv durch das Körpergewicht und gegen den Widerstand der Schneckenfeder gesenkt, so dass wieder der volle Bodenkontakt gegeben ist. Durch eine Stellschraube an der Blattfeder besteht zusätzlich die Möglichkeit, eine Beugung des Vorfußteils künstlich herbeizuführen. Diese Stellung hält den Fuß im Steigbügel.

Ein Meisterwerk.

[Informationen aus dem Stadtarchiv Bad Homburg]

Besichtigung und Preise

Die Ausstellung „244ff. – Von Friedrich bis Ferdinand“ ist ab sofort geöffnet und kann individuell besichtigt werden. Das Ticket kostet 4 Euro pro Person. In Verbindung mit Führungen durch den Englischen Flügel und die Kaiserlichen Appartements gibt es Kombitickets.

Weitere Informationen zu Öffnungszeiten und Tickets finden Sie hier.