Die Ausstellung "Das ist mein Leben. Bäuerliche Lebenswelten. Fotografien von Vlad Dumitrescu" ist eröffnet

Unter dem Effizienzdruck der Moderne gehen in Rumänien Formen einer traditionellen Agrarwirtschaft zurück. Dass diese bäuerlichen Lebenswelten aber nicht nur Heimatidyllen darstellen, sondern auch ökologisch sinnvoll sind, führt die erste Foto-Ausstellung des Künstlers Vlad Dumitrescu in Deutschland vor Augen. Das Ergebnis einer Spurensuche in ländlichen Mittelgebirgsregionen des südosteuropäischen Landes ist seit Sonntag, 17. Juli 2022, im Lorscher Museumszentrum zu sehen. Einige der Arbeiten Dumitrescus, die auch den Einsatz von Zugtieren anstelle von Landmaschinen abbilden, entstanden erst auf Anregung des Experimentalarchäologischen Freilichtlabors Lauresham beim UNESCO Welterbe Kloster Lorsch.

„Das ist mein Leben“ (bis 30. Oktober 2022) zeigt stimmungsvoll anmutende Fotografien von Bäuerinnen und Bauern, ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten sowie Agrarlandschaften, die daraus hervorgingen. Der 42jährige setzte in rund 14 Jahren Urtümliches ins Bild und warnt zugleich davor, dass diese kleinbäuerlichen Kulturräume und die Lebensweisen der Menschen im Verschwinden begriffen sind. Mit Bezug auf das Freilichtlabor Lauresham werben sie für wirtschaftliches Handeln aus Selbsterhaltung (Subsistenz), das die Ressourcen der Natur zwar nutzt, sie aber gleichzeitig für kommende Generationen bewahrt.

„Meine Bilder vermitteln die Gemeinschaft zwischen Mensch und Natur“, sagt Dumitrescu. „Sie sprechen von einer Balance. Von Dingen, die gut laufen. Sie handeln von respektierten Wäldern, Feldern und Tieren. Ich hoffe, die Betrachterinnen und Betrachter sehen diese Themen in meinen Werken.“ Nach den Worten des Lauresham-Leiters Claus Kropp ist die Ausstellung in diesem Sinne „ein Türöffner für Diskussionen zu Nachhaltigkeit, zu unserer Lebensweise, unseren Wertvorstellungen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt“. Zur Ausstellungseröffnung war auch die amtierende Generalkonsulin Rumäniens in Deutschland, Mihaela Feher, gekommen und appellierte, dass man Wege finden müsse, um gute Traditionen wie jene der rumänischen Bäuerinnen und Bauern zu bewahren.

Das ist mein Leben

Das Titelbild der Ausstellung zeigt eine Bäuerin, die eine Regenperiode abwartet, bis sie Heu ernten kann.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Sowohl Dumitrescu als auch Kropp betonten die respektvolle Gemeinschaft von Mensch und Tier in den Dörfern Rumäniens.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Der Einsatz von Nutztieren in den "bäuerlichen Lebenswelten" ist unverzichtbar, gehe aber nach Angaben Dumitrescus schleichend zurück.

© Vlad Dumitrescu

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Von rechts nach links: Mihaela Feher, amtierende Generalkonsulin Rumäniens, der Foto-Künstler Vlad Dumitrescu, und Claus Kropp, Leiter in Lauresham.

Das ist mein Leben

Die Ausstellung zeigt eindringliche Porträts der dritten Generation, aber auch von jungen Menschen, die sich für ein Leben in den Dörfern Rumäniens entschieden haben.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Kleinteilige Kulturlandschaften wie diese im Gebirge in Brașov County sind das Ergebnis nachhaltiger Bewirtschaftungen.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Dumitrescu fotografierte auf seinen Foto-Touren auch Schafherden und die Schäfer, die mit ihren Tieren mitziehen.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Dumitrescu legte bei manchen seiner Porträts Wert darauf, dass auch die Tiere "ein Gesicht" bekamen.

© Vlad Dumitrescu

Das ist mein Leben

Bäuerin mit ihrem Vieh.

© Vlad Dumitrescu

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Eines der jüngeren Werke in der Ausstellung: Bauer mit Zugochsen.

Kirsten Worms, die Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, sagt: „Ich empfehle allen Gästen dieser Ausstellung einen anschließenden Besuch in unserem Freilichtlabor. Der Zusammenhang und die Bedeutung von Dumitrescus Liebeserklärung an alte ländliche Gewohnheiten in Rumänien wird sich unmittelbar erschließen und zum Nachdenken anregen. Die Vergangenheit gibt Impulse für die Zukunft.“ Die Botschaft von Lauresham und von Dumitrescus fotografischer Dokumentation im Umgang mit der Natur sei "eine des Maßhaltens und des sich Einfügens in das Gegebene", so Dr. Hermann Schefers, Leiter des Welterbes Kloster Lorsch, in seinem Grußwort.

Lauresham ist das begehbare 1:1-Modell eines Herrenhofes im Frühmittelalter und schildert anschaulich das Leben von Mensch und Tier vor rund 1200 Jahren. In Untersuchungsreihen, Forschungsinitiativen und über internationale Verbindungen wie dem „Global Draft Cattle Network Project“ (Weltweites Zugtier-Netzwerk Projekt) wird unter anderem die Landwirtschaft einer lokal ausgerichteten Gesellschaft im 9. Jahrhundert mit den Methoden experimenteller Archäologie nachgegangen. Die Wirtschaftsweise war, so Kropp, von Subsistenzstrategien geprägt. Sie ermöglichte kleinstrukturierte Kulturlandschaften und große Artenvielfalt.

Das ist mein Leben

Plakat zur Ausstellung

© Vlad Dumitrescu / Vlad D. Photography

Kropp zufolge trage Vlad Dumitrescus Fotokunst mit Motiven einer aussterbenden Generation rumänischer Bäuerinnen und Bauern dazu bei, alte und verloren gegangene Agrar-Techniken des Mittelalters wieder besser zu verstehen. „Der Blick auf diese ländliche Lebenswelt, in das Umfeld der Dörfer, ist wie ein Fenster in unsere eigene bäuerliche Vergangenheit. Die Aufnahmen, die 2021 als ein Projekt des Global Draft Cattle Network entstanden, fungieren zugleich als Ideengeber für eine nachhaltige Zukunft in der Landwirtschaft.“

Das Netzwerk war 2021 nach einer internationalen Konferenz zum Einsatz von Zugtieren in Vergangenheit und Gegenwart gegründet worden. Bereits davor hatten Kropp und Vlad Dumitrescu, der die Homepage „Vlad D. Photography“ mit Werken aus vielen Jahren betreibt, Kontakt. „Das ist mein Leben“ präsentiert jüngere und ältere Fotografien. Der Künstler nutzt für seine Arbeit nach eigenen Angaben eine Nikon D4-Kamera und meistens ein 24-70mm-Objektiv. Die Ausstellung wird unterstützt vom Kuratorium UNESCO Welterbe Kloster Lorsch sowie dem UNESCO Global Geopark Bergstraße-Odenwald.