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Ein Freudentag: Wiedereröffnung der Kaiserlichen Appartements und 75jähriges Bestehen der hessischen Schlösserverwaltung

Mit vielen Ehrengästen haben die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen am Mittwoch, den 1. September 2021, die Wiedereröffnung der Kaiserzeitlichen Appartements im Königsflügel des Schlosses Bad Homburg gefeiert. Der Festakt, der auch dem 75. Geburtstag der 1946 errichteten Schlösserverwaltung galt, markiert den erfolgreichen Abschluss einer zehnjährigen Instandsetzung des Gebäudes und der umfänglichen Restaurierung des Inventars in den ehemaligen herrschaftlichen Räumen. Die Hessische Kunstministerin Angela Dorn hob in ihrem Grußwort den Wert von Kulturschätzen wie des Schlosses Bad Homburg als „Lernorte“ für die Gesellschaft heraus. Dort werde die Geschichte erzählt, „wer wir waren, wie wir wurden und wer wir sind“. Von Donnerstag an sind die Museumsräume uneingeschränkt für das Publikum zugänglich. Tage der Offenen Tür mit freien Eintritt und einem besonderen Programm schließen sich am Wochenende des 4./5. Oktober an.

Festakt mit HESSEN-Buchstaben zum Geburtstag des Landes am Bad Homburger Schloss

Von links nach rechts die Abgeordneten des Hessischen Landtages Nina Eisenhardt (Grüne), Andreas Hofmeister (CDU), Elke Barth (SPD), Stefan Naas (FDP), die Hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn, Kirsten Worms, Direktorin der SG, und Dr. Martin Worms, Staatssekretär im Hessischen Finanzministerium.

© Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Foto: Uwe Dettmar

Singulär in Deutschland: eine eingerichtete und ausgestattete Hohenzollern-Residenz

Die Flucht der Räume im ersten Obergeschoss des Königsflügels sind die einzigen erhaltenen eingerichteten Appartements der preußischen Könige und deutschen Kaiser in der Bundesrepublik. Besonders gerne nutzten der letzte Kaiser und preußische König Wilhelm II. sowie seine Frau Auguste Victoria das frühere hessen-homburgische Landgrafenschloss als Sommerresidenz. Erstmals seit dem Beginn ihres Exils, am Ende des Ersten Weltkrieges 1918, sind die miteinander verbundenen Wohn- und Gesellschaftsräume nach einer vollständigen, von historischen Quellen geleiteten Überarbeitung wieder in einen authentischen Zustand zurückgeführt. Sie dokumentieren den alltäglichen und herrschaftspolitischen Charakter eines zeitweiligen Lebens- und Wirkungsortes des Kaiserpaares.

Auseinandersetzung mit der Geschichte befördern

Die Direktorin der SG, Kirsten Worms, kündigte weitere Initiativen bei der Vermittlung des kaiserzeitlichen Erbes am Ort an. Dafür werde im November eine neue Ausstellung im Erdgeschoss des Gebäudes unter dem Titel „Vom Landgrafensitz zum Kaiserschloss“ eröffnet. Sie führe künftig alle Besuchenden in die verschiedenen Zeitphasen des Schlosses ein, vor allem in die von 1866 bis 1918 währende preußische und kaiserzeitliche. „Wir sind ein Lern- und Erlebnisort“, sagte Worms, „und wollen die emotionale Auseinandersetzung mit der Geschichte befördern.“

Festakt im Bad Homburger Schloss: Geburtstagsfeier zum 75jährigen Bestehen der SG und Wiedereröffnung der Kaiserlichen Appartements

Das Wetter hat gehalten: Festakt im oberen Hof des Schlosses Bad Homburg mit Blick in den Taunus. Musik steuerten die "Akustischen Vier" bei.

© Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Foto: Uwe Dettmar

Der Präsident des Hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Markus Harzenetter, nannte die Fertigstellung des Königsflügels einen „Meilenstein in der Bewahrung unseres baukulturellen Erbes“. In der Geschichte der Schlösserverwaltung sei das Projekt der Kaiser-Appartements der „aktuelle Höhepunkt“.

Ein "einmaliges Ensemble" aus kaiserlicher Zeit

Prof. Dr. Christoph Martin Vogtherr, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, würdigte das Alleinstellungsmerkmal des Bad Homburger Schlosses unter den ehemaligen Hohenzollern-Residenzen. Es sei sein „wahrhaft einmaliges Ensemble“. In den Schlössern, die nun in der Obhut der berlin-brandenburgischen Schlösserverwaltung sind, fand dagegen nach dem Ersten Weltkrieg eine „umfassende Beseitigung der kaiserzeitlichen Spuren“ statt, so Vogtherr. Die junge Weimarer Republik habe in den Hauptresidenzen des abgedankten Kaisers Wilhelm II. und seiner Familie, im Neuen Palais und im Schloss Babelsberg, „unbedingt den größtmöglichen Abstand“ zwischen sich und dem Kaiserreich bringen wollen.

Schlösserverwaltungen bewahren "Tourismagnete" in Deutschland

Der Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Bernd Schreiber, erinnerte an die grundsätzliche Verantwortung deutscher Schlösserverwaltungen für das historische Erbe des Landes. Unter den Denkmalen entfalteten besonders Schlösser und historische Gärten eine gesellschaftliche Bindekraft. Millionen Gäste allerorten wollten mit ihnen „Deutschland, ihre eigene Heimat kennenlernen“. Diesen Erwartungshorizont würden viele Mitarbeitende der unterschiedlichsten Berufe täglich neu erfüllen. Für die stärksten Tourismusmagnete Deutschlands leisteten die bayerische und alle anderen Schlösserverwaltungen „Grundarbeit“, erklärte Schreiber.

Der Versammlungssaal in den Kaiserlichen Appartements des Bad Homburger Schlosses. Kirsten Worms eröffnet die Besichtigung mit der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn.

Kirsten Worms eröffnet die erste Runde der Besichtigungen in den Kaiser-Appartements.

© Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Foto: Uwe Dettmar

Gute Zusammenarbeit auf der Baustelle zwischen LBIH und SG

Der Königsflügel des Schlosses war aufgrund beträchtlicher Schäden einsturzgefährdet und wurde seit dem Jahr 2012 mit rund 10 Mio. € instandgesetzt. Für die Bausanierung in vier Phasen war der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) als Bauherr verantwortlich, begleitet durch die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen als Denkmalpflegerin und Nutzerin des Schlosses und des Schlossparks. Die Arbeiten umfassten vor allem die Ertüchtigung des Hänge-Sprengwerkes über dem Speisesaal im Königsflügel sowie anderer Holzkonstruktionen (Dach und Balkendecken), außerdem die Sanierung der technischen Infrastruktur (Heizung, Wasser, Elektro, Brandschutz) und der Gebäudefassaden.

Ein großes Dankeschön an die Restaurierungsabteilung der SG

Während der Schließung wurden die Appartements mit ihren Raumschalen, Ausstattungen, Möbeln und Accessoires nach dem Konzept einer unverfälschten Anschaulichkeit für die Summe von 1,1 Mio € gründlich restauriert und teilweise rekonstruiert. Zwar ist die Enfilade der Appartements auf circa 1.000 m2 vor allem der 244 Jahre währenden Geschichte der hessen-homburgischen Landgrafen zuzurechnen. Die preußische Zeit nach 1866 (von 1871 an kaiserliche) stellt jedoch ihren jüngsten Akt vor.

Der Speisesaal mit einer reduzierten "Kriegstafel" ist ein Höhepunkt in den Kaiserlichen Appartements

Der Speisesaal ist ein Höhepunkt in den Kaiserlichen Appartements. Der Leiter der Restaurierungsabteilung Ulrich Haroska erläutert die reduzierte "Kriegstafel".

© Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Foto: Uwe Dettmar

Bisher waren in den kaiserlichen Wohnräumen verschiedene Zeitschichten etwa durch Ausstattungsgegenstände nicht klar voneinander getrennt. Aufgrund einer neu erforschten, sehr guten Quellenlage legte das Team der Restaurierung für die Aufarbeitung die Jahre 1917/1918 als Zeitschnitt fest. Im Prozess gab es mehrere glückliche Funde und Überraschungen sowohl beim immobilen wie mobilen Kunstgut. Wichtige Möbel sowie Accessoires kehrten in ihre ursprünglichen Zusammenhänge zurück.

Leihgaben und besondere Highlights vervollständigen die Räume

Leihgaben vervollständigen das Bild, insbesondere des Hauses Doorn, dem niederländischen Exilort des Kaiserpaares und heute nationale Gedenkstätte zur Geschichte des Ersten Weltkrieges, sowie der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG). Zu den Highlights in den Appartements zählt ein Gemälde des Malers Fleck, das die SPSG nach Hessen zurückgab. Es war ein privates Geschenk des Kaisers an seine Frau und zeigt ihn mit ungewöhnlich offener Darstellung seines verkrüppelten linken Armes. Unterstützung kam auch von Stiftung und Kuratorium Bad Homburger Schloss: Die Vereinigung finanzierte die Restaurierung einzelner Stücke mit Kosten von 75.000 €.

Eine Lichtkunstinstallation am Wahrzeichen der Stadt Bad Homburg

Die Schlösserverwaltung feierte bei ihrer Eröffnung zugleich den 75. Geburtstag des Landes Hessen mit den großen, reisenden HESSEN-Buchstaben der Kampagne „Meine Heimat – Mein Zuhause“ im oberen Schlosshof. Am Abend des Festaktes sollte das Künstlerpaar Daniela und Pascal Kulcsár am Weißen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt Bad Homburg, weit sichtbar das öffentliche interaktive Lichtspektakel „Flashlines“ starten.