Erfolgreiche Podiumsdiskussion zu Wilhelm I. und Augusta im Schloss Bad Homburg

Ausgebuchte Veranstaltung mit knapp 100 Gästen

Ein inspirierender Abend im Schloss Bad Homburg: Knapp 100 Besucherinnen und Besucher füllten am 18. November 2025 den Weißen Saal bis auf den letzten Platz. Die Podiumsdiskussion „Wilhelm I. und Augusta – Das erste deutsche Kaiserpaar neu betrachtet“ bot eine kurzweilige und vielschichtige Auseinandersetzung mit den Persönlichkeiten an der Spitze des jungen deutschen Kaiserreichs.

Neue Forschung schließt wichtige Lücken

Drei junge Historikerinnen und Historiker präsentierten ihre aktuellen Dissertationen zum ersten deutschen Kaiserpaar: Dr. Susanne Bauer von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften beleuchtete in ihrer Arbeit über die Briefkommunikation der Kaiserin Augusta deren Rolle als europäische Netzwerkerin und politische Akteurin. Dr. Jan Markert von der Universität Trier zeichnete die politische Biographie Wilhelms I. nach – vom sogenannten Kartätschenprinz zum Reichsgründer. Dr. Frederik Frank Sterkenburgh von der Universität Utrecht rückte die politische Gestaltungskraft Wilhelms I. als deutscher Kaiser in den Mittelpunkt.

Engagierte Diskussion auf hohem Niveau

Die enge persönliche Zusammenarbeit der drei Referentinnen und Referenten war bemerkenswert. Sie verwoben ihre unterschiedlichen Perspektiven zu einem ausgewogenen Gesamtbild. Prof. Dr. Eckart Conze von der Philipps-Universität Marburg gab eine einordnende Replik auf die Kurzvorträge und eröffnete damit die angeregte Diskussion, die von Prof. Dr. Jacco Pekelder vom Haus der Niederlande und der Universität Münster geleitet wurde.

Das Publikum beteiligte sich mit qualifizierten Fragen, die das spannungsreiche Verhältnis von Monarchie, Politik und Geschlechterrollen im 19. Jahrhundert weiter ergründete. Die Diskussion verlief differenziert und abgewogen – fern von einseitigen Bewertungen.

Prof. Dr. Jacco Pekelder, Dr. Susanne Bauer, SG-Direktorin Kirsten Worms, Prof. Dr. Eckart Conze, Dr. Katharina Bechler (SG), Dr. Jan Markert, Dr. Frederik Frank Sterkenburgh

Foto: Stefan Schmitt

Aus der Diskussion ergaben sich wichtige Neueinschätzungen zur Geschichte des Deutschen Kaiserreichs. 

Foto: Stefan Schmitt

Die drei jungen Historikerinnen und Historiker sprachen über ihre aktuellen Forschungserkenntnisse. 

Foto: Stefan Schmitt

Zentrale Erkenntnisse des Abends

Aus den Vorträgen und den anschließenden Diskussionen ergaben sich wichtige Neubewertungen: Die Geschichte des Deutschen Kaiserreichs ist deutlich weniger auf Bismarck zu fokussieren, als es manche Darstellungen und Quellen nahelegen. Kaiser Wilhelm I. trat als eigenständiger politischer Akteur hervor, und auch seine Ehefrau Augusta erwies sich als politisch reflektierte Persönlichkeit mit nachweisbarem Einfluss.

Besonders aufschlussreich war die Analyse der Machtverhältnisse in dieser regelrechten Dreiecksbeziehung: Augusta wurde aufgrund ihrer liberaleren Haltung von Bismarck und seinem Umkreis systematisch diffamiert. Der Reichskanzler sprach abschätzig von „Politik im Unterrock“ und stellte Wilhelm I. als schwach gegenüber seiner Frau dar. Mit dieser Strategie versuchte Bismarck, den Kaiser von seiner politischen Linie zu überzeugen und Augustas Einfluss zurückzudrängen.

Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe

Die Veranstaltung markierte den gelungenen Auftakt einer neuen Reihe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die sich den drei deutschen Kaiserpaaren widmet – von Wilhelm I. und Augusta bis Wilhelm II. und Auguste Victoria.

Der Abend zeigte eindrucksvoll, wie Kooperationen zwischen Wissenschaft und Kultureinrichtungen neue Erkenntnisse für ein breites Publikum zugänglich machen. Die große Resonanz bestätigte das Interesse an dieser Thematik und lässt auf weitere spannende Veranstaltungen der Reihe hoffen.

Begas, Karl: Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach, Klassik Stiftung Weimar, Museen, Inv.-Nr.: KGe/00518.

Foto: Klassik Stiftung Weimar

Steuben, Carl von: Wilhelm I. als Prinz von Preußen, GK I 2967. / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Foto: Daniel Lindner

Die vorgestellten Publikationen:

  • Bauer, Susanne: Die Briefkommunikation der Kaiserin Augusta (1811-1890): Briefpraxis, Briefnetzwerk, Handlungsspielräume, Berlin 2024 (Quellen und Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte 60).
  • Markert, Jan: Wilhelm I. Vom „Kartätschenprinz“ zum Reichsgründer, Berlin 2025 (Elitenwandel in der Moderne 25).
  • Sterkenburgh, Frederik Frank: Wilhelm I as German Emperor. Staging the Kaiser, Cham 2024 (Palgrave Studies in Modern Monarchy).