Brunnen in Wilhelmsbad - Die Rolle des Wassers im Landschaftspark
Wilhelmsbad verdankt seine Existenz dem Wasser. Bereits vor der Erbauung der Kurgebäude ab 1777 war der Ort für seine Quelle, den „Guter Brunnen“, bekannt. Der Legende nach wurde diese Quelle 1709 durch zwei Kräuterfrauen entdeckt, welche nach Trinken des Wassers sogleich eine Wirkung auf ihre Körper feststellten. Nach Beschreibungen des Brunnenarztes Hettler, Ende des 18. Jahrhundert, sollte das Trinken des Quellwassers die unterschiedlichsten Krankheiten heilen und sich positiv auf die Gesundheit auswirken. In der Zeit als Kurort wurde in Wilhelmsbad neben der Badekur vor allem die Trinkkur betrieben, die aus der regelmäßigen Einnahme des Heilwassers und dem Flanieren entlang Promenade und Park bestand.
Brunnentempel als atmosphärischer Blickfang
Der zentrale Ort dieser Trinkkur war die Quelle an der Hauptpromenade, wo sich das gesellschaftliche Leben konzentrierte. Hier wurde der Brunnentempel errichtet, in dem die Kurgäste Heilwasser zapfen konnten. Nach Herabsteigen weniger Stufen befindet sich ein Wasserhahn mit Auffangbecken zum Befüllen von Trinkgefäßen. Der sechseckige Tempelbau besteht aus einer Arkadenzone, einer Attika mit Balustrade und Steinfiguren sowie einer zweistufigen Kuppel, als schiefergedecktes Walmdach ausgeführt. Auf den Scheitel der Kuppel steht eine Äskulapfigur. Die gut sichtbare, als griechischer Heilgott mit Schlangenstab ausgeführte Sandsteinskulptur, wies die Kurgäste zu der Quelle des Heilwassers. Brunnenhäuser in Tempelerscheinung waren Ende des 18. Jahrhunderts ein beliebtes Bauelement in Kuranlagen und Landschaftsgärten. Sie erfüllten dabei eine praktische sowie landschaftsarchitektonische Funktion und dienten durch ihre künstlerische Gestaltung als atmosphärischer Blickfang.

Brunnentempel an der Promenade
Foto: Oana Szekely, 2021
Historische Quellen und Schächte
Das Wilhelmsbader Heilwasser sprudelte nicht nur aus der Quelle des Brunnentempels. Neben der Quelle des „Guten Brunnens“ wurden vor und während der Bauarbeiten für die Kuranlage weitere Quellen entdeckt. Diese wurden im Kurbetrieb zum Teil auch zum Befüllen der Badevorrichtung genutzt und deren Wasser über Rohre zur Wasseraufbereitung geleitet. Brunnen befanden sich zudem im Kavaliersbau (heute Pavillon Nr. I) und im Arkadenbau. Gegensätzlich zur Quelle des Brunnentempels wurde hier nur eine schlichte Einfassungen in Sandstein vorgenommen.
In einem Veranstaltungsraum des Arkadenbaus befindet sich im Bodenbereich ein archäologisches Fenster in Form einer runden Glasabdeckung. Dieses gewährt seit kurzem wieder den Blick in einen der historischen Brunnenschächte. Zuvor war die Glasscheibe, die den Brunnen abdeckte angerissen und wurde nun durch eine neue Scheibe ausgetauscht. Die vom LBIH geleitete Baumaßnahme wurde vor kurzem beendet. Um den Brunnen ist Kies aufgeschüttet und seitlich liegende Stahler beleuchten den Brunnen.

Historischer Brunnenschacht im Arkadenbau
Foto: Mona Weinell

Braubach nahe der Burgruine
Foto: Michael Leukel, 2018
Wasser als historisches Zeugnis und Lebensraum
Darüber hinaus gab es unabhängig zu den Brunnen der Heilquellen und Kurgebäude mehrere einfache Brunnen zur Bewirtschaftung von Gärten und Anzuchtflächen. Ein Bespiel ist der nahe dem Parkplatz gelegene kleine Brunnenkranz, der ehemals der Versorgung eines Gärtnerhauses diente. Der durch den Landschaftspark laufende Braubach stellt ein weiteres wichtiges Gewässer dar. Er speist den Teich, welcher zur Blütezeit der Anlage mit kleinen Schiffchen befahren wurde und den Kanal der die Burginsel umfließt. Kanal und Teich wurden zur Erbauungszeit angelegt und tragen als gestalterische Elemente zu einer naturnahen und abwechslungsreichen Erscheinung des Landschaftsparks bei.
Wasser ist in Wilhelmsbad nicht nur historisches Zeugnis der Kurzeit, sondern auch Lebensraum für Flora und Fauna. In heißen Sommern spendet es wohltuende Kühle – eine Wirkung, die schon die Kurgäste des 18. Jahrhunderts zu schätzen wussten und in Hinblick auf Erderwärmung und Klimawandel umso mehr Bedeutung erhält. Ehemals als Mittel der Kur und als Gestaltungselement des Landschaftsgartens eingesetzt, kam ihm eine zentrale Rolle zu, die sich im Laufe der Zeit wandelte. Bis heute und in Zukunft bleibt Wasser in Wilhelmsbad unverzichtbar.