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Vor zweihundert Jahren starb der Gründer des Wilhelmsbades in Hanau

Beglückt schloss ein Reisender 1785 im „Teutschen Merkur“ seinen Bericht über das Wilhelmsbad bei Hanau ab: „Wem es hier nicht behaget, der muss wahrlich sehr krank seyn.“ Es gebe Heilung, Bequemlichkeiten, Vergnügungen und dann noch die Natur, die alles übertreffe. Dass die Reize des beliebten Kurbades außerordentlich waren, dafür hatte kein Geschäftsmann gesorgt, sondern Wilhelm. Er war der Erbprinz und spätere Graf zu Hanau, ab 1785 mit längerer Exil-Unterbrechung regierender Landgraf von Hessen-Kassel, der einige Jahre auch die Kurfürstenwürde trug. Vor genau 200 Jahren, am 27. Februar 1821, starb der kreative, aber der politischen Moderne zeit seines Lebens wenig aufgeschlossene Mann.

Wellness-Business

Wilhelm war – salopp gesagt – mit dem Wilhelmsbad in das „Wellness-Business“ eingestiegen, nachdem man vor Ort in einem Steinbruch mineralhaltige Heilquellen entdeckt hatte. Zusammen mit dem Kammerrat und Ingenieur Franz Ludwig Cancrin realisierte er von 1777 an einen Brunnentempel und Gebäude in spätbarockem Stil. Sie wurden in einer langen Achse an einer Promenade aufgereiht, mitten in einem zeitgleich entstehenden Landschaftspark von 37,5 Hektar Fläche.

Dort erfand der Landesherr eine frühe Form ganzheitlicher Erholung. Trink- und Bäderkuren sollten Gebrechen wie „Eingeweidewürmer“, „Bleichsucht“ und „Geschwulst des ganzen Leibes“ vertreiben. Bewegung verschafften sich die Gäste in dem nach englischer Gartenkunst gestalteten Park und jeder Gang stimulierte Empfindungen.

Eine Heilanlage mit Unterhaltungswert

Gewundene Pfade im hügeligen Gelände führen zu diversen Szenen, an Aussichtspunkte und zu Zierbauten: darunter eine Grotte, eine Einsiedelei, eine schwankende „Teufelsbrücke“, die in ein dunkles Boskett führt, ein Schneckenberg und eine Pyramide als Grabdenkmal. Weitere Zerstreuung boten damals ein Schießstand, ein Heckentheater oder das Casino. Sie sind nicht erhalten, jedoch das noch immer bespielte Comoedienhaus und das tageweise fahrende Karussell. Es gilt als ältestes feststehendes der Welt und ist eine Attraktion.

Hanau Wilhelmsbad, Karussell

An festen Tagen nimmt das historische Karussell den Betrieb auf. Auf www.karussell-wilhelmsbad.de erfährt man die Öffnungszeiten.

Foto: Kilian Schönberger, 2016

Hanau Wilhelmsbad, Kunstruine

Der als Ruine scheinende Wohnturm wurde aus Sandstein und Glimmerschiefer errichtet. Moosbewuchs täuschte früher Alter vor.


Foto: Kilian Schönberger, 2016

Carl Gustav Pilo Kurfuerst Wilhelm I von Hessen Copyright mhk M22777

Carl Gustav von Pilo, Kurfürst Wilhelm I. von Hessen, um 1765, Öl auf Leinwand, Copyright: mhk / Kassel

Der Fürst fand in seiner Stiftung „meinen Juwel und Lieblingsort“. Wenn er da war, mischte er sich unter das Volk. Hanauer und Frankfurter kamen zur Badesaison ab Juli in Scharen, auch internationales, sogar gekröntes Publikum reiste an. Es soll ein „wunderbares Gemische von Menschen aus Noblesse und Bürgertum, Christen und Juden, alt und jung“ gegeben haben, warben die „Briefe eines Schweizers über das Wilhelmsbad bei Hanau“ (1780), die der Aufklärer Freiherr Adolph von Knigge verfasste.

"Juwel und Lieblingsort"

Für Wilhelm war der schönste Platz eine Kunstruine auf einer Insel im aufgestauten und schiffbar gemachten Braubach, wo er sich private Erholungspausen gönnte. Außen täuscht sie Verfall vor, innen entfaltet sie Pracht. „Hier genoß ich denn zum ersten Mal die Annehmlichkeit des Lebens, das einem Fürsten so selten beschiedene Glück, welches man bei Hofe nicht findet. Nicht in Schlössern, wo der Herrscher von Günstlingen umlauert, von Höflingen bespitzelt wird, findet der bedrückte Bauer, der geplagte Untertan Zuflucht, sondern inmitten des Waldes, wo ich ganz allein […] weilte.“ So schrieb er in seinen stilisierten Lebenserinnerungen. Damals wie heute bestaunen Besucher:innen die Illusion des pseudomittelalterlichen Wohnturms, der der erste dieser Art in Deutschland ist.

Authentischer Erhaltungszustand

Der Niedergang des Wilhelmsbades war eingeläutet, nachdem sein Schöpfer als neuer Landgraf die Gegend 1785 Richtung Kassel verließ. Um 1815 versiegte auch im Wilhelmsbad die ohnehin dürftige Quelle. Der Betrieb kam vollständig zum Erliegen und die Anlage wurde im 19. Jahrhundert kaum modernisiert. Dies war von Vorteil: Auf diese Weise blieben Wilhelms Landschaftsgarten und die Relikte der Bäderkultur authentisch erhalten.

Hanau Wilhelmsbad, Schlafzimmer

Im Inneren der Burg sind die Räume auf das Kostbarste ausgestattet. Blick in das Schlafzimmer.

Foto: Michael Leukel, 2019

Hanau Wilhelmsbad, Grabpyramide

Eine melancholische Szenerie im Park: die Grabpyramide für Wilhelms erstgeborenen Sohn.

Foto: Michael Leukel, 2019

Hanau Wilhelmsbad, Brunnentempel

Der Brunnentempel an der langen Promenade.

Foto: Oana Szekely, 2021