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Tempel der Pomona im Schlosspark Bad Homburg wird zur Apfelblüte eröffnet

Der offene Pavillon des Teehauses ist Geschichte. Eine Instandsetzung verwandelte es zurück in das historische Schmuckstück, das es einst war. Jetzt wird im Tempel der Pomona wieder die Obstkultur gefeiert.

Schloss, Tempel innen

Einblick in das neue kleine Museum © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen / Foto: Alexander Paul Englert

Foto: Alexander Paul Englert, 2020

Das Teehaus im Bad Homburger Schlosspark sieht jetzt wieder so aus, wie in den ältesten erhaltenen Ansichten der 1870er Jahre überliefert. Die bisherige offene Konstruktion aus dem Jahr 1952 erhielt gemäß dem historischen Vorbild Wände, Eingangstür und Fenster. Das marode Dach wurde komplett neu aufgerichtet. Im Inneren des Teehauses wird künftig die Ausstellung „Obstkultur“, passend zum benachbarten Herrschaftlichen Obstgarten, einen Einblick in die Welt historischer sowie heute gängiger Apfel- und Birnensorten geben.

"Kleinod" im Schlosspark

„Jetzt haben wir ein echtes Kleinod unseres Bad Homburger Schlossparks wieder aus dem Dornröschenschlaf geholt“, sagt Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG). Das runderneuerte Teehaus sei ein weiterer Mosaikstein auf dem langen Weg, den die Schlösserverwaltung in Bad Homburg schon in den 1980er Jahren begonnen habe: "Die unterschiedlichen historischen Gestaltungsphasen des Parks zu bewahren und wo möglich wiederherzustellen.“

Tempel, Dronier 1878

Dronier, Blick zum Tempel der Pomona, 1878 © Museum Gotisches Haus

„Aufgrund unserer umfangreichen Quellenforschung im Vorfeld der Instandsetzung konnten wir die Baugeschichte des Teehauses recht gut nachvollziehen“, erläutert Susanne Erbel vom Fachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege (SG), die das Projekt in enger Zusammenarbeit mit Dr. Inken Formann, Leiterin des Fachgebiets Gärten und Gartendenkmalpflege, betreute. „Uns war es wichtig, die denkmalpflegerische Wiederherstellung mit einem neuen, modernen Gestaltungskonzept im Inneren zu verbinden“, betont Worms.

Orientierung an historischer Vorgängerin: Chinoiserie

Das Konzept stützt sich auf die Geschichte des Teehauses. Es wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet, als Landgräfin Caroline von Hessen-Homburg im westlichen Teil des Schlossparks die „Fantasie“ anlegen ließ – in Homburg der erste Anlauf, einen Landschaftsgarten zu gestalten. Das bis heute als Teehaus bekannte Gebäude war einer chinesischen Pagode nachempfunden und damit Ausdruck der damaligen Begeisterung für Chinoiserien.

Pomona war römische Göttin der Baumfrüchte

Carolines Gatte, Landgraf Friedrich V., nannte es nach der römischen Göttin der Baumfrüchte „Tempel der Pomona“. „Der Name war ein Hinweis auf die unmittelbare Nähe zum herrschaftlichen Obstgarten. Diesen Bezug haben wir wiederaufgenommen und das Teehaus in „Tempel der Pomona“ umbenannt“, sagt Formann, von der auch das Konzept der „Obstkultur“-Ausstellung im Inneren stammt.

Teehaus 2007

Das Teehaus, wie es seit 1952 im Schlosspark stand © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen / Foto: Anja Riemann

Die Schau in dem etwa vier mal vier Meter großen Innenraum zeigt naturgetreue Wachsapfelmodelle von 78 historischen Apfel- und Birnensorten, von denen die meisten einst im Schlosspark Bad Homburg angebaut wurden. Einher mit der Rekonstruktion des Gebäudes ging die Umgestaltung der Parkpartie „Fantasie“. Die Schlossgärtner*innen haben nach historischem Vorbild eine neue Wegeverbindung in das Esskastanienwäldchen und einen Sitzplatz mit Blick auf den Herrschaftlichen Obstgarten angelegt.

Tempel der Pomona steht in der "Fantasie"

Umfangreiche Baum- und Strauchpflanzungen gliedern den Raum nun wieder so, wie es in den überlieferten Pflanzplänen aus den Jahren 1893 und 1898 detailliert dargestellt ist. Als Besonderheiten sind ein Blauglockenbaum, eine Silberpappel sowie eine Blutbuche hinzugekommen, sodass die Partie nun neue Blatt- und Blütenfarben aufweist.

Tempel, Westerfeld-Plan

Ein detaillierter Plan des Jahres 1846 des Homburger Bauinspektors Jacob Westerfeld war die Grundlage der Rekonstruktion, © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

Die Baukosten von 176.000 Euro wurden aus dem Landesprogramm Erhaltung Historisches Erbe (EHE) (80.000 Euro), aus den Mitteln des Bauunterhalts der SG (46.000 Euro) und aus Spenden des Kuratoriums Bad Homburger Schloss e.V. (50.000 Euro) finanziert.

Die Spende für die Instandsetzung des Tempels der Pomona ist nur der jüngste Teil des ideellen und finanziellen Engagements des Kuratoriums, das sich 1982 unter dem Namen „Kuratorium zur Erneuerung der Bad Homburger Schlosskirche e.V.“ gegründet hatte. Seitdem hat es zahlreiche Projekte in Schloss und Park mit Spenden unterstützt.

Einweihung des kleinen Museums am 7. Mai mit Staatssekretärin Asar

Um hierfür offiziell „Danke“ zu sagen, hatte die Schlösserverwaltung ursprünglich in diesen Tagen zur Einweihung des Tempels der Pomona eine kleine Feier in Anwesenheit der Hessischen Staatssekretärin für Wissenschaft und Kunst, Ayse Asar, geplant. Sie ist aufgrund der Pandemie auf den 7. Mai 2021 verlegt.

Darum hat sich die SG auch entschlossen, die Dauerausstellung erst zur Apfelblüte 2021 zu eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt wird auch das Begleit- und Vermittlungsprogramm starten.

Äpfel

Nur noch wenige Apfelsorten können Verbraucher:innen noch im Handel kaufen, © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen