Wybrand de Geest-Gemälde ist glanzvoll ins Schloss Erbach zurückgekehrt

Es ist ein Augenschmaus im Oraniersaal der Gräflichen Sammlungen des Schlosses Erbach: Das Porträt von Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz (1613–1664), ein Meisterwerk des niederländischen Malers Wybrand de Geest (1592–1663).

Hinter dem Gemälde liegt eine ereignisreiche Zeit: Zwischen September 2025 und März 2026 hatte es als Leihgabe der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG) die Ausstellung „Wybrand de Geest. Meesterlijke Portretten“ des Fries Museums im niederländischen Leeuwarden bereichert. Im Auftrag und auf Kosten des Leihnehmers war das Porträt mit den Maßen 224 mal 159 Zentimetern aufwändig restauriert worden. Restaurierung und die Reise in die Niederlande war das Thema einer Fotogalerie in unserem Artikel zum Europäischen Tag der Restaurierung 2025.

Ein Portrait eines Mannes in ritterlicher Kleidung mit Rüstungsteilen, Stand vor rotem Hintergrund, neben einer spetselisierten Rüstung.

Das Portrait Wilhelm Friedrichs von Nassau-Dietz von Wybrand de Geest vor ... 

Foto: Susanne Danter

Porträt eines Mannes in historischen Ritterkostümen mit Helm und Rüstung, auf rotem Hintergrund, auf Leinwand.

... und nach der Restaurierung. 

Foto: Susanne Danter

Der Fokus der Ausstellung lag auf dem Leben, Wirken und Schaffen des Porträtmalers Wybrand de Geest, der im 17. Jahrhundert in Leeuwarden ansässig war. Neben seiner Ausbildung, seinem persönlichen Netzwerk und seiner Bedeutung für die friesische Porträtmalerei wurden auch seine Auftraggeber näher betrachtet. Als „inoffizieller Hofmaler“ der oranischen Statthalter in Friesland, die in Leeuwarden residierten, waren die Staatsporträts des Künstlers von Ernst Casimir von Nassau-Dietz und seines ältesten Sohnes Heinrich Casimir I. bereits länger bekannt. „Lange ging man davon aus“, so Marlies Stoter, die Kuratorin der Ausstellung, „dass Wybrand de Geest auch ein ganzfiguriges Staatsporträt von Graf Willhelm Friedrich von Nassau-Dietz, dem jüngeren Sohn Ernst Casimirs, der ebenfalls Statthalter in Friesland war, gemalt haben musste. Der Statthalter führte nämlich Tagebuch: in den Jahren 1646, 1647 und auch 1648 berichtet Wilhelm Friedrich von seinen Besuchen im Atelier von Wybrand de Geest in Leeuwarden, um sich dort porträtieren zu lassen. Die Entdeckung des Staatsporträts von Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz in Schloss Erbach, das großartig restauriert wurde, erweist sich als das fehlende Puzzlestück.“

Die Ausstellung „Wybrand de Geest. Meesterlijke Portretten“ mit Blick auf das Porträt (links) von Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz (1613–1664).© Ruben van Vliet 2025, Fries Museum, Leeuwarden.

Nach dem aufwendigen Rücktransport aus Leeuwarden hängt das frisch restaurierte Gemälde nun wieder an seinem Platz im Oraniersaal von Schloss Erbach und kann neben weiteren Bildnissen niederländischer und flämischer Meister wie Anthonis van Dyck, Gerard van Honthorst und Michiel Jansz van Mierevelt bewundert werden.

Den als Speisesaal genutzten Raum ließ Graf Eberhard XV. von Erbach-Erbach (1818–1884) um 1860 mit Porträts der Familie von Nassau-Oranien umgestalten, um seine nassauischen Ahnen zu präsentieren.

©SG Foto Nora Möritz

Das Gemälde nimmt wieder seinen angestammten Platz im Oraniersaal ein. ©SG Foto Nora Möritz