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Sonderführungen am Europäischen Tag der Restaurierung im Schloss Bad Homburg

Anlässlich des Europäischen Tags der Restaurierung fanden am 10. Oktober 2021 Sonderführungen durch die Kaiserlichen Appartements im Schloss Bad Homburg statt. Susanne Danter und Brigitte Hagedorn, die bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Hessen als Restauratorinnen tätig sind, gewährten den Besucher:innen Einblicke in ihre Arbeit. Bei ihren Führungen durch die Schauräume lenkten sie die Blicke auf Details, die sonst verborgen bleiben.

Susanne Danter legte den Fokus auf den vorhandenen Gemäldebestand mit Werken aus dem 17. bis 20. Jahrhundert, welche die Kaiserlichen Appartements zieren. Nach aufwendigen und umfassenden Sanierungsarbeiten sind die Wohnräume des letzten deutschen Kaisers seit September wieder für Besucher:innen zugänglich. An diesem interdisziplinären Projekt waren neben Kunsthistoriker:innen und Bauforscher:innen maßgeblich die Restaurator:innen der Staatlichen Schlösser und Gärten beteiligt. Etwa 1.000 Objekte wurden in Zusammenarbeit mit externen Fachfirmen und freiberuflichen Restaurator:innen betreut.

Stuhl mit originalem Stoffueberzug in den Kaiserlichen Appartements

Ein Stuhl in den Kaiserlichen Appartements im Schloss Bad Homburg mit originalem Stoffüberzug

Foto: Lena Liebau

Stuehle mit nachgewebtem Stoffueberzug in den Kaiserlichen Appartements

...dem gegenüber stehen zur Veranschaulichung Stühle mit nachgewebtem Stoffüberzug.

Foto: Lena Liebau

Susanne Danter berichtete den Besucher:innen, dass die Gemälde zunächst begutachtet werden mussten, um abzuwägen, welche Maßnahmen erforderlich sind und wie hoch sich die Kosten belaufen. Auch dies gehört zu den vielseitigen Aufgaben des Restaurator:innenberufes, auf den Susanne Danter auch in ihrer Funktion als Vizepräsidentin des Verbands der Restauratoren e.V. aufmerksam machen möchte.

Mit UV-Lampe und Taschenlampe hob Susanne Danter Details an den Gemälden hervor und ließ die Besucher:innen so an ihrer Arbeit teilhaben. Sie machte sichtbar, was dem Auge sonst verborgen bleibt, beispielsweise ein alter, vermutlich bei einem Putzunfall entstandener Schaden an einem Portrait Kaiser Wilhelms I. im Speisesaal. An anderen Objekten traten im Zuge der Restaurierungsarbeiten positive Überraschungen zutage, etwa ein zuvor verborgenes Einhorn auf einem Gemälde der Arche Noah von Bassano.

Susanne Danter beleuchtet Details am Portrait Wilhelm I im Speisesaal

Susanne Danter beleuchtet Details am Portrait von Wilhelm I. im Speisesaal der Kaiserlichen Appartements im Schloss Bad Homburg.

Foto: Lena Liebau

Das Hauptaugenmerk der Restaurator:innen bei ihrer Arbeit liegt auf der Konservierung der Objekte. Sichtbare Eingriffe und Retuschen werden sorgfältig abgewogen. „Die Restaurierungsethik sieht immer die Bewahrung der originalen Substanz im Vordergrund. Daher muss man sich die Frage stellen, ob man etwas ergänzt oder ob man sich lieber zurücknimmt“, erklärt Susanne Danter. Auch Brigitte Hagedorn, Restauratorin für gefasste Möbel, bemüht sich in erster Linie um das Bewahren des Originals und nimmt nur notwenige Ergänzungen vor. Dem geht stets eine intensive Untersuchung des Möbelstücks voraus. Im Rahmen ihrer Expertenführung wies Brigitte Hagedorn auf Besonderheiten an den vergoldeten und lackierten Möbelstücken in den Kaiserlichen Appartements hin und erklärte ihre fachliche Herangehensweise.

Brigitte Hagedorn veranschaulicht ihre restauratorische Herangehensweise am Tag der Restaurierung 2021

Brigitte Hagedorn veranschaulicht Besucher:innen ihre restauratorische Herangehensweise an bestimmte Objekte.

Foto: Lena Liebau

Auf die Frage nach ihrem Lieblingsobjekt hin antwortet Brigitte Hagedorn: „Mein Lieblingsobjekt wäre das, dem kein Schaden zugefügt wurde, sodass mein Eingreifen gar nicht erforderlich wäre.“ Doch zu ihrem Bedauern wurden historische Möbelstücke immer wieder unsachgemäß behandelt, nicht zuletzt auch durch ältere Restaurierungsmaßnahmen. Daher unterstreicht sie die Wichtigkeit der akademischen Ausbildung von Restaurator:innen, des Austauschs mit Kolleg:innen sowie einer gründlichen Vorbereitung der restauratorischen Maßnahmen.

Auch Susanne Danters Arbeit an den Gemälden in den Kaiserlichen Appartements wurde nicht selten durch ältere Restaurierungsmaßnahmen erschwert. Da diese im Gegensatz zur heutigen Praxis oft nicht dokumentiert wurden, müssen solche Eingriffe „detektivisch“ ermittelt werden, wie Danter den Besucher:innen erklärte. Auch sie legt Wert auf die akademische Ausbildung von Restaurator:innen.

Nur an wenigen Universitäten in Deutschland wird Restaurierung als Studienfach angeboten, zuvor muss ein mindestens einjähriges Vorpraktikum und eine anspruchsvolle Aufnahmeprüfung absolviert werden. Susanne Danter und Brigitte Hagedorn studierten beide an der Technischen Hochschule Köln, wo verschiedene Fachrichtungen für Restaurierung angeboten werden. Verschiedene Fachrichtungen arbeiten auch in den Restaurierungswerkstätten der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen in Bad Homburg zusammen. Gemeinsam betreuen die Restaurator:innen den historischen Bestand in ganz Hessen.

"Achtung! Kunst" - Plakat des Verbandes der Restaurator:innen

Plakat des Verbands der Restaurator:innen anlässlich des Tags der Restaurierung 2021

© Verband der Restaurator:innen

Zum Europäischen Tag der Restaurierung luden die europäischen Berufsverbände in diesem Jahr bereits zum vierten Mal ein, um auf die vielseitigen Aufgaben aufmerksam zu machen und für den Beruf zu werben. Das diesjährige Motto lautete „Achtung! Kunst“. Neben den Restauratorinnen der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen gaben Vertreter:innen verschiedenster Bereiche des Berufsstandes Einblicke in ihre aktuellen Projekte und ihre Arbeitsweise.