Märchenhafte Puppenspieler

 

Bereits seit Jahrzehnten bevölkern Märchen und Marionetten die Schlossräume in Steinau. Die Zunft der Puppenspieler hat Konjunktur und das Steinauer Marionettentheater Tradition. Im Jahre 1924 übernahm Karl Magersuppe die Bühne einer Göttinger Studentengruppe und spielte seitdem unter dem Bühnennamen "Die Holzköppe" Stücke wie "Doktor Faust", "König Drosselbart", "Die Zaubergeige", "Der gestiefelte Kater", "Don Juan", "Judith und Holofernes", "Genoveva", "Der tapfere Cassian" oder "Der tugendhafte Glücksritter". Die Eröffnungsvorstellung mit dem "Doktor Faust" fand in der Aula der alten Klosterschule in Bad Hersfeld statt. Zum Ensemble gehörten Freidrich Herbold, Teo Otto, Edgar Fuchs und Fritz Reinhold.

Nach 1933 musste Karl Magersuppe aus Existenzgründen im Sinne der neuen Machthaber spielen. Das ging nicht immer gut, denn sein Kasperl war durchaus nicht linientreu und eckte oft erheblich an. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verlor Karl Magersuppe seine drei Kinder. Bald darauf verstarb auch seine Frau. Aber das Leben ging weiter. Im Oktober 1949 kamen die alten Spielbücher wieder ans Licht, die Puppen wurden zu neuem Leben erweckt. So zog er nun mit seiner zweiten Frau Katharina und mit Elisabeth Schmeiser, dem "Elschen", durch die Lande.

 

Auf einer Gastspielreise im Jahre 1955 spielten sie in Steinau, wo der Marstall des Steinauer Schlosses leer stand und sich als festes Theaterdomizil anbot. Das Steinauer Schloss wird oft auch als das Märchenschloss der Brüder Grimm bezeichnet, die in der beschaulichen Stadt ihre Jugendjahre verbracht hatten. Es lag also nahe, den märchenhaften Zauber der Marionetten auch den Brüdern Grimm zur Seite zu stellen. Die Bühne nahm immer mehr Grimm-Märchen in ihr Repertoire auf. Viele Schulklassen nutzten Steinau und das Marionettentheater als Ausflugsziel und die Stadt wurde so zu einem kulturellen Anziehungspunkt.

  

1981 verstarb Karl Magersuppe. Sein Sohn Karl-Erich und seine Schwiegertochter Lieselotte leiten seither das Theater in der zweiten Generation. Die Spielweise der "Holzköppe" ist selten experimentell. Manches ironisch-skurril wie beispielsweise "Das Tapfere Schneiderlein". Auf offene Stücke und expressionistische Akzente wird verzichtet. Die Steinauer Puppen sind nicht modern, nicht in die Sphären bloßer Gebärden verschoben, sondern bleiben menschlich - allzu menschlich wie die Familie Magersuppe eben ist. Selbst Goethes Doktor Faust bleibt Mensch, steht zwischen oben und unten, ist weder historisch noch eine allegorische Figur. Erle Magersuppe versteht es geschickt, den Puppen Leben, Grazie und Anmut zu verleihen. Er lässt sie fliegen, zart nach oben wegschweben. Dabei sehen die Kinder weder den Puppenspieler noch die Fäden, an denen die Marionetten hängen; das Publikum ist einbezogen in die Handlung.

 

Das "Gestiefelte Rumpelkäppchen" ist der Renner des Ensembles. Mit 52 Marionetten und zwei Handpuppen tobt sich die Familie Magersuppe mit Sohn Mario und Tochter Nina bei diesem temporeichen, närrischen Stück auf der Bühne aus. Die Begeisterung ihrer Kinder für das Spiel mit den Fäden lässt die Magersuppes hoffen, dass eines Tages auch die Enkel diesen schönen Beruf ergreifen werden, das Erbe fortsetzen und so weiterhin Groß und Klein mit ihrem Puppenspiel verzaubern.

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