Historisches - Hessen - ein kurzer Streifzug durch die Geschichte
 

Umriß des Bundeslandes HessenWoher kommen all die Burgen oder die herrschaftlichen Schlösser mit ihren prunkvollen Gärten, die wir Ihnen vorstellen und deren Besuch wir Ihnen empfehlen? Begleiten Sie uns auf einem kurzen Streifzug durch die wechselvolle Geschichte Hessens.

Was heute ein Bundesland ist, war in der Vergangenheit eine Vielzahl von Herzogtümern, Fürstentümern, Landgrafschaften und Grafschaften. Diese sind nicht nur als Folge unterschiedlicher Einflüsse entstanden, die in der Geschichte auf diesen Raum eingewirkt haben. Genau so haben vielfältige geographische Faktoren ihre Spuren hinterlassen: Gebirgslandschaften sind durch Flussläufe voneinander getrennt. Die osthessische und die westhessische Senke teilen das Land. Uralte Besiedlungsspuren deuten auf erste menschliche Einwanderung nach dem Ende der Eiszeit hin. Schon früh durchziehen Handelswege das hessische Gebiet.

 

Ansicht der SaalburgHessen - dieser Name leitet sich von dem germanischen Stamm der Chatten ab, die um die Zeitenwende gegen das von den Römern eroberte Gebiet vorrücken. Dabei verdrängen sie die in den Jahrhunderten zuvor in diesem Raum siedelnden keltischen Stämme, die ihrerseits zahlreiche Spuren einer entwickelten Kultur hinterlassen. Gegen den Ansturm der Germanen schützen sich die Römer mit einem Grenzwall quer durch Südhessen, dem Limes. Von dieser mächtigen Befestigung zeugen die Überreste einer Grenzgarnison, eines sogenannten Kastells. Diese Befestigung wurde im vorigen Jahrhundert entdeckt und rekonstruiert und ist heute unter dem Namen Saalburg weithin bekannt.

Kaiserpfalz Gelnhausen - Hoffassade des PalasMit dem Zusammenbruch des Römischen Reiches im dritten und vierten Jahrhundert n.Chr. dringen neue Germanenstämme (Alemannen, Franken) in den Rhein-Main-Raum ein, der schon damals ein wichtiges Wirtschaftszentrum war. Das Zentrum ihres Stammesherzogtums entwickelt sich hier. Später entstehen die karolingischen Pfalzen. Sie sind gleichsam Residenzen auf Zeit für den König und seinen Hofstaat. Gleichzeitig wird der nordhessische Raum ein Zentrum der Germanenmission, die untrennbar mit dem Namen des irischen Mönchs Bonifatius verbunden ist.
Zahlreiche Klöster werden gegründet, beispielsweise Lorsch im achten und Seligenstadt im neunten Jahrhundert n.Chr. In diese Zeit (738) fällt auch die erste schriftliche Erwähnung des "Volks der Hessen" ("populus Hassiorum") in einem päpstlichen Sendschreiben, womit wohl vor allem die Bewohner des heutigen Nordhessen gemeint sind.

 

Mit der Herausbildung der mittelalterlichen Territorialstaaten und der freien Reichsstädte zerfällt der Raum des heutigen Hessen in zahlreiche Herrschaftsgebiete. Gelegentliche Aufteilungen des Erbes beim Tod eines Herrschers unter seine Söhne machen das Bild noch unübersichtlicher. Zur Sicherung des herrschaftlichen Machtanspruchs entstehen zahlreiche Burganlagen, die erst mit dem Dreißigjährigen Krieg ihre militärische und machtpolitische Bedeutung verlieren.

 

Ansicht des MünzbergturmsIn Nord- und Mittelhessen entsteht im 11. und 12. Jahrhundert die Landgrafschaft Hessen, die zeitweise mit Thüringen verbunden ist. Im Jahr 1189 ernennt sich Ludwig III. zum "rector Hassiae" (Fürst von Hessen). Zu dieser Zeit bildet Marburg das bedeutendste Zentrum des Landes. Von hier aus fördert der herausragende Landgraf Philipp der Großmütige tatkräftig die Reformation. Nach seinem Tod 1567 wird das Land entsprechend seinem Willen unter seine vier Söhne aufgeteilt. Zwei Linien sterben jedoch schon bald aus. Übrig bleiben Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt.

 

Auch im Rhein-Main-Raum und im rheinhessischen Gebiet entstehen zahlreiche Herrschaftsgebilde, die sich zunächst mühsam gegen die Vormachtsansprüche des Erzbischofs von Mainz zur Wehr setzen müssen. Viele davon können sich über die Jahrhunderte nicht behaupten oder fallen wegen des Aussterbens der Herrscherfamilien an Nachbarstaaten. So kommt etwa 1479 die Grafschaft Katzenelnbogen, zu der u. a. Darmstadt gehört, an die hessischen Landgrafen.

 

Bereits im 11. und 12. Jahrhundert setzt auch der Aufstieg Frankfurts als Verkehrsknotenpunkt und Handelszentrum ein. Doch als freie Reichstadt fehlt ihm der territoriale Expansionsanspruch.

 

Unter den vielen Kleinstaaten können sich die Fürsten von Nassau mit dem Zentrum im Lahngebiet behaupten. Allerdings kommt es auch hier über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu Aufteilungen des Territoriums bei Erbschaften, aber auch zu Wiederangliederungen durch das Aussterben von Seitenlinien.

 

Das Zusammenleben all dieser Staaten ist nicht nur friedlich. Der Dreißigjährige Krieg wütet in Hessen besonders blutig und führt zu schrecklichen Zerstörungen. In den Friedenszeiten dagegen bemühen sich nicht wenige der Herrscher, prächtige Residenzen mit ausladenden Prunkbauten und Gärten zu errichten, um so ihren Herrschaftsanspruch zu demonstrieren. So errichtet der Landgraf von Hessen-Kassel eine umfangreiche Residenzanlage. Schloss Weilburg und Schloss Biebrich entstehen als Residenzen der Grafen von Nassau

Mit den napoleonischen Kriegen wird auch in Hessen das Ende der Kleinstaaterei eingeleitet. Die Säkulasierung der geistlichen Herrschaften bedeutet das Ende vieler Klöster und mit der Eingliederung zahlreicher kleinerer weltlicher Herrschaften in größere ist das Territorium des heutigen Hessen im wesentlichen in drei Staaten aufgeteilt: Hessen-Nassau, Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (neben der freien Reichsstadt Frankfurt).

 

Im Jahre 1866 kommt es zu einer weiteren territorialen Neugliederung. Nassau, Kassel und Frankfurt werden von Preußen annektiert, lediglich Darmstadt kann seine Selbständigkeit behalten. Auch die Revolution von 1918 mit dem Übergang von der Monarchie zur Republik ändert an dieser staatlichen Aufteilung nichts. Erst die amerikanische Besatzungsmacht vereinigt 1945 (unter Abtretung linksrheinischer Gebiete) die ehemaligen preußischen Provinzen Kassel und Nassau mit dem ehemaligen Hessen-Darmstadt zu Hessen in seinen heutigen Grenzen.

 

Viele der ehemaligen Schlösser, Klöster und Burgen, die im Laufe der Jahrhunderte den Sitz der verschiedensten staatlichen Herrschaften bildeten, sind somit heute im Besitz des Landes Hessen. Soweit sie nicht zu bestimmten Zwecken genutzt werden, liegen sie heute in der Obhut der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, die für deren Fortbestand sorgt und sie als historische Kulturgüter der Allgemeinheit zugänglich macht.